Wir über uns - Präambel

Wolfgang Weirauch
Wolfgang Weirauch

Die FLENSBURGER HEFTE Verlag GmbH dient der Herausgabe der Zeitschrift FLENSBURGER HEFTE und anderer Veröffentlichungen auf der Grundlage der Anthroposophie Rudolf Steiners. Der Verlag strebt nicht vorrangig Gewinnerzielung, sondern die Verwirklichung des geistigen Impulses der FLENSBURGER HEFTE an.

Dieser Impuls möchte aus der Erkenntnis geistiger und zeitgeschichtlicher Notwendigkeiten die Zusammenarbeit aller anthroposophisch forschenden und tätigen Menschen sowie das Zusammenwirken aller Einrichtungen fördern, denen die Anthroposophie Grundlage ihres Wirkens in den verschiedenen Arbeits- und Lebensbereichen ist. Diese Einrichtungen streben die Verwirklichung von Teilbereichen des umfassenden Kulturerneuerungsimpulses Rudolf Steiners in ihrem spezifischen Lebensumfeld an, indem die geistig-verantwortlich in ihnen Tätigen sich um ein sachgemäßes Handeln auf der Grundlage von geistigen Erkenntnissen bemühen, wie sie auch in der Anthroposophischen Gesellschaft gesucht, erarbeitet und gepflegt werden. Denn sie ist die Stätte der anthroposophischen Erkenntnispflege.

Auf dieser Grundlage wirken die FLENSBURGER HEFTE sachlich aufklärend für Menschen, die der Anthroposophie Interesse entgegenbringen und am Gespräch der Anthroposophie mit dem Zeitgeschehen teilhaben. Durch die FLENSBURGER HEFTE soll der Austausch der Anthroposophie mit den verschiedensten wissenschaftlichen, künstlerischen, religiösen, sozialen und politischen Anschauungen der Gegenwart gesucht und gefördert werden. Sie sind damit dem anthroposophischen Kulturerneuerungsimpuls Rudolf Steiners verpflichtet.

Die FLENSBURGER HEFTE sind eine unabhängige anthroposophische Zeitschrift, die in Form von Thementaschenbüchern herausgegeben wird. Die Bücher zum Thema erscheinen 4mal im Jahr und in einer Sonderheft-Reihe. Sie werden weltweit verbreitet und können einzeln oder im Abonnement bezogen werden, und zwar direkt beim Verlag oder über den Buchhandel.

In jedem Band wird ein Schwerpunktthema kompetent und vielschichtig, konkret und lebensnah aufgearbeitet. Auch schwierigste Themen werden in klarer und sachlich-verständlicher Sprache vermittelt. Dabei kommen nicht nur anthroposophische Fachleute zu Wort, sondern es werden auch andere wissenschaftliche, künstlerische, religiöse und sozialpolitische Anschauungen dargestellt. In den FLENSBURGER HEFTEN finden Sie eine Fülle von Anregungen und Impulsen für die individuelle und gesellschaftliche Entwicklung.

Andere über uns

Flensburger Hefte allgemein

(Rezensionen aus dem letzten Jahrtausend über die Entstehungsgeschichte und die ersten Jahrzehnte der Flensburger Hefte) 

 

Rezension in: Gegenwart, 6/1994
Rezensent: Kurt Brotbeck

Neue Flensburger Hefte
Die Flensburger Hefte erfreuen sich von Jahr zu Jahr größerer Beliebtheit bei dem noch lesenden Publikum. Vor allem sprechen sie jenen Kreis an, der nicht tiefschürfende Grundsatzbetrachtungen sucht, der nicht intellektuell-akademische Höhenwanderungen verarbeiten möchte, sondern der lebens- und erlebnisnaher Hilfen bedarf. Ferner sind die Hefte gekennzeichnet durch ihre weltanschauliche Offenheit.

Rezension in: Forum der katholischen Kirche im Kanton Zürich, 9/1994
Anthroposophie im Dialog

Lange Zeit war die Anthroposophie zum offenen Gespräch mit nichtanthroposophischen Kreisen kaum bereit. So sieht sie der reformierte Theologe und Esoterik-Experte Georg Schmid als eine monologische Struktur: Nicht einmal mit der Theosophie sei die Auseinandersetzung gesucht worden. Die anthroposophische Bewegung habe bis heute nicht herausgearbeitet, welches Erbe sie der Theosophie verdanke. Manches an diesem Erbe ist äußerst problematisch - beispielsweise die Rassenlehre der Theosophie-Gründerin Helena Petrowna Blavatsky, die die "Überlegenheit der weißen Rasse" aus angeblich esoterischen Quellen belegen wollte.

Eine hierzulande wenig bekannte Zeitschrift ist offenbar bereit, auch heiße Eisen und in der eigenen Bewegung höchst umstrittene, oft noch nicht einmal öffentlich gestellte Fragen aufzugreifen. Sie heißt Flensburger Hefte und trägt den Untertitel Anthroposophie im Gespräch. Einige der neueren Ausgaben befassen sich mit dem Verhältnis der Anthroposophie zu Rassismus und Faschismus. Der unvoreingenommene Leser, die vorurteilslose Leserin stößt bei der Lektüre der Schriften und Vorträge Rudolf Steiners nicht nur auf Merkwürdigkeiten verschiedenster Art, sondern auch auf höchst Widerwärtiges. Ein Beispiel dafür ist sein rassistisches Gedankengut in bezug auf Indianer, Schwarze, Japaner und Franzosen. So übernahm Steiner etwa die These Blavatskys von der Vernichtung der Indianer als "karmischer Notwendigkeit". Bernd Hansen bestätigt in seinem Beitrag "Zu Rudolf Steiners Indianerbild" (FH 41) eine teilweise Übereinstimmung der beiden in Rassenfragen und kommt zum Schluß, es sei "die Zeit gekommen, bestimmte Aussagen Rudolf Steiners als das zu bezeichnen, was sie sind: sachlich nicht zutreffend bzw. unzeitgemäß".

Die These, die Anthroposophie sei dem Faschismus durchaus nicht fern gestanden, wurde 1992 von der links-grünen deutschen Publizistin Jutta Ditfurth in die Debatte gebracht. Bereits ein Jahr zuvor hatten sich die Flensburger Hefte mit dem Thema "Anthroposophie und Nationalsozialismus" beschäftigt. Belege für ein Sich-Einlassen mancher Anthroposophen und Anthroposophinnen auf die Nazis werden nicht geleugnet, doch betont etwa Arfst Wagner, Nationalismus und Rassismus seien der Anthroposophie "fremd" (Sonderheft 8). Er belegt mit Steiner-Zitaten aus den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, daß dieser nationalistischem Gedankengut kritisch gegenüberstand. Dennoch fällt auf, daß die anthroposophische Bewegung ihre Geschichte der Jahre 1933 bis 1945 bislang noch kaum aufgearbeitet hat. - Der Gerechtigkeit halber muß gesagt werden, daß die christlichen Kirchen auf diesem Gebiet auch nicht sehr viel weiter sind.

Die Flensburger Hefte bieten einen Einblick in ein offenes und gesprächsbereites anthroposophisches Denken und Wirken. Die Bereitschaft zum Dialog sollte wahrgenommen werden.

Rezension in: Novalis, 9/1998
Rezensent: Hans-Jürgen Bracker

Kurz vorgestellt:
Nicht ganz so viele Jahre hat der Flensburger Hefte Verlag auf dem Buckel, aber 20 Jahre sind immerhin seit dem Erscheinen der ersten Mitteilungen des Vereins zur Förderung der Waldorfpädagogik im Herbst 1978 ins Land gegangen; nach der Gründung der Flensburger Waldorfschule 1983 faßte die Redaktion um Wolfgang Weirauch den Entschluß, die Mitteilungen als anthroposophisch orientierte Zeitschrift (Mitteilungen anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen im Raum Flensburg) mit vier Themenheften pro Jahr weiterzuführen. Diese fanden schnell Verbreitung über den Norden Deutschlands hinaus, 1985 war der jetzige Titel gefunden, der 1991 mit dem Untertitel “Anthroposophie im Gespräch” versehen wurde, was auf eine Spezialität hindeutet: Von Anfang an bildeten Interviews einen Großteil der Beiträge. Die überregionale Ausrichtung führte dazu, daß die Mitteilungen anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen zunächst als Rubrik weitergeführt, schließlich ganz wegfielen.

Inzwischen sind 61 Flensburger Hefte erschienen, die sich allerdings zu veritablen Büchern (im Durchschnitt 200 Seiten) ausgewachsen haben. Einige der “Fetzer aus dem Norden” (Verlagswerbung) liegen mittlerweile in 4. Auflage vor, das Heft Nr.10, “Partnerschaft und Ehe”, avancierte als Sonderheft 1 zum echten Bestseller (5. Auflage). Bücher und Sonderhefte ergänzen seit Jahren die Reihe der regulären “Hefte”, die immer wieder heiße Eisen aufgreifen, z.B. “Anthroposophen und Nationalsozialismus” (FH 32).

Die Grundeinstellung der Zeitschrift, die auch Anthroposophen, die Anthroposophie und ihren Begründer Rudolf Steiner nicht von manchmal kritischen Nachfragen ausnimmt, wird von einzelnen Anthroposophen mitunter als “zu liberal” bezeichnet.

Rezension in: Mitteilungen der Waldorfschule Lübeck
Rezensent: Ludger Helming-Jacoby

Wenn ich in den vergangenen Jahren zu Beginn der Sommerferien meine Sachen fürs Verreisen zusammensuchte, packte ich immer auch einige Bücher mit ein, die ich schon seit langem lesen wollte, für die ich aber bisher keine Zeit gefunden hatte. Die „Ferienstimmung“ brachte es allerdings oft mit sich, daß ich mir einen ordentlichen Ruck geben mußte, um mir eines der Bücher vorzunehmen – zumindest, soweit es sich um „anstrengende“ anthroposophische oder pädagogische Literatur handelte. Solche Bücher blieben nicht selten ungelesen und wanderten am Ferienende wieder ins Regal, auf den Stapel „für die nächsten Ferien“. Auch letzten Sommer hatte ich mir zu Themen, die mich beschäftigten, einige Bücher aus einem anthroposophischen Verlag mitgenommen. Diesmal jedoch bedurfte es nicht des erwähnten Rucks; die Bücher erwiesen sich als so fesselnd, daß ich sie geradezu „verschlang“. Um was für Bücher es sich dabei handelte? Es waren einige der Flensburger Hefte. Diese Hefte – eigentlich sind es eher Bücher, mit einem Umfang von 130 bis 270 Seiten erscheinen vierteljährlich und behandeln jeweils ein bestimmtes Thema. Wenn man sich die Liste der bisherigen Themen anschaut, sieht man, daß die Flensburger Hefte Verlag GmbH sich besonders der Auseinandersetzung mit aktuellen Zeitfragen widmet. Auf diese Weise ist er bemüht, dem gerecht zu werden, was Rudolf Steiner den Lehrern der ersten Waldorfschule nachdrücklich ans Herz legte – und was gewiß nicht nur für diese Gültigkeit hat -: „Für alles Weltliche und alles Menschliche müssen wir als Lehrer Interesse haben. Uns irgendwie abzuschließen für etwas, was für den Menschen interessant sein kann, das würde, wenn es beim Lehrer Platz griffe, höchst bedauerlich sein.“ (Aus den Schlußworten der „Seminarbesprechungen“) Dabei scheut der Verlag auch vor heißen Eisen nicht zurück. So brachte er die – fundierte und sehr lesenswerte – Studie der Brüder Gädeke zum Verhältnis von Anthroposophischer Gesellschaft und Christengemeinschaft heraus, nachdem das Buchmanuskript eine über sieben Jahre währende Odyssee durch anthroposophische Institutionen und Verlage hinter sich hatte. Eine Übersicht über die in dieser Studie behandelten Fragen findet man in FH 22; die spannende Vorgeschichte ihrer Entstehung ist in Sonderheft Nr.9 dokumentiert.

Zumeist sind es mehrere Menschen, die zu den jeweiligen Themen eines Heftes zu Wort kommen – und zwar keineswegs nur Anthroposophen -, was eine erfreuliche Vielfalt mit sich bringt. Man lernt ganz unterschiedliche Standpunkte kennen, die einem teils mehr, teils weniger zusagen, was in jedem Fall hilfreich ist, um seinen eigenen Standpunkt zu finden. Hier und dort stieß ich auf einen Beitrag, bei dem ich dachte: „Den hätte man sich auch schenken können“. So fand ich es überflüssig, einer Penny McLean („Ich bin multidimensional talentiert“ – „Ich habe Kontakt zu Rudolf Steiner“) Raum für ihre Selbstdarstellung zu geben (FH 34). Und was die Keyserlings mit ihren obskuren mystischen Anschauungen und Praktiken im „Indianer-Heft“ (FH 37) zu suchen haben, blieb mir unerfindlich. Solche Beiträge waren jedoch Ausnahmen und taten meiner grundsätzlichen Wertschätzung der genannten Vielfalt keinen Abbruch.

„Anthroposophie im Gespräch“ heißt es im Untertitel der Flensburger Hefte. In dieser Formel ist das Konzept der Zeitschrift ausgedrückt, und dies in zweifacher Weise: Inhaltlich hat die Zeitschrift es sich zum Ziel gesetzt – so heißt es in der Selbstdarstellung -, das „Gespräch der Anthroposophie mit dem Zeitgeschehen“, den „Austausch mit den verschiedensten wissenschaftlichen, künstlerischen, religiösen und sozialpolitischen Anschauungen der Gegenwart“ zu suchen und zu fördern. Gleichzeitig ist durch den Untertitel auch die Art angesprochen, wie die Inhalte vermittelt werden. Als Besonderheit der Flensburger Hefte sind die Beiträge zum großen Teil nämlich tatsächlich in Gesprächsform. Durch das „Hin und Her“ dieser Gespräche – zwischen Mitarbeitern des Verlags und dem betreffenden Gesprächspartner – entsteht eine Lebendigkeit, die einem das Aufnehmen der Darstellungen sehr erleichtert. Im besten Falle - und das kam in den Heften, die ich gelesen habe, erfreulich häufig vor – wächst das Gespräch über die „Interview“-Form, die Aufeinanderfolge von Frage und Antwort, hinaus und wird zu einem fruchtbaren Miteinander (zuweilen auch – und das würde man sich durchaus noch häufiger wünschen – zu einer ebenso fruchtbaren Kontroverse, so stellenweise in FH 35), zu einem gemeinsamen Erkenntnisprozeß, in dem die Rollenverteilung Fragender – Antwortender aufgehoben ist. Natürlich kann nicht jede im Eifer des Gespräch-Gefechts entstandene Äußerung so ausgefeilt sein wie bei einem ausformulierten Aufsatz, kann sich zuweilen ein „Vor-laufendem-Mikrophon-Effekt“ bemerkbar machen – so empfand ich die Saloppheit mancher Formulierungen als etwas übertrieben-gekünstelt, wie um zu beweisen, daß es sich wirklich um ein Ad-hoc-Gespräch handelt -; darüber kann man aber leicht hinwegsehen. F. Venturini schrieb in seiner Rezension der Flensburger Hefte (Erziehungskunst 2/1991), bei einem Gespräch nüchterne Sacheinsichten in persönlicher Frische und Unmittelbarkeit einzufangen, den Gesprächspartner nicht mit dem eigenen Standpunkt zu überfahren, sondern mit ihm in dem Ton zu sprechen, der gerade für ihn der angemessenste ist, sei eine Kunst. „Sie kann nicht immer in höchster Vollkommenheit gelingen. Schon daß dies in der nun 30. Folge unternommen wurde, verdient Dank.“ Da kann man nur uneingeschränkt zustimmen – für das im anthroposophischen Bereich herausragend mutige, vor allem aber auch zukunftsweisende Konzept der Flensburger Hefte kann man tatsächlich dankbar sein und dem jeweils kommenden Heft mit gespannten Interesse entgegensehen.

Interessant fand ich die Entstehungsgeschichte der Flensburger Hefte: Von 1978 an, im Vorfeld einer Waldorfschulgründung, wurden vom Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik e.V. „Mitteilungen“ herausgegeben. Zur Redaktion gehörten damals Bernd Hansen, Dr. Ekkehard Krüger und Wolfgang Weirauch (alle drei sind auch noch für die Flensburger Hefte tätig). Sie entwickelten für die „Mitteilungen“ ein sehr offenes Konzept: In den Heften fanden sich keineswegs nur Artikel, die thematisch um die anstehende Schulgründung kreisten, sondern es wurden darüber hinaus auch Themen von allgemeinem Interesse behandelt, auch damals schon in Interviewform -; außerdem erhielten die anthroposophischen Einrichtungen und Initiativen im Raum Flensburg Gelegenheit, mit Artikeln, Einladungen und Terminen zur Gestaltung der Hefte beizutragen. 1982 – 25 Hefte waren inzwischen erschienen – entstand beim Kollegium der Waldorfschule der Wunsch, ein eigenes Mitteilungsheft, ausschließlich für Schulangelegenheiten, zu haben. Daraufhin entschlossen sich diejenigen, die sich in der Arbeit an den „Mitteilungen“ engagiert hatten und denen das „Über-den-Zaun-Blicken“ ein Anliegen war, das bisherige breitgefächerte Konzept in Gestalt einer unabhängigen Zeitschrift weiterzuführen und gaben fortan die „Mitteilungen anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen im Raum Flensburg“ heraus. Die Zeitschrift, mit der von den regionalen Initiativen selbst verantworteten Berichten und einem überregional-redaktionellen Teil, fand zunehmend bundesweite Beachtung und Verbreitung. Dieser Entwicklung Rechnung tragend traten in den folgenden Jahren die regionalen Berichte gegenüber dem redaktionellen Teil immer mehr in den Hintergrund. 1985 erhielt die Zeitschrift ihren heutigen Namen „Flensburger Hefte“. Ihre Themen und die Art, wie sie angepackt wurden, fanden eine rasche wachsende Leserschaft. Zum „Renner“ wurde Sonderheft 1, Partnerschaft und Ehe“, inzwischen gab es vier Auflagen mit insgesamt 31.000 Exemplaren. Ich empfand dieses Heft als sehr anregend, in manchen Äußerungen jedoch auch recht festgelegt. – Ein Heft, das ich für besonders gelungen halte und dem ich eine weite Verbreitung wünschen würde, ist FH 36, zum Thema „Schwangerschaftsabbruch“. Neben den regulären und den Sonderheften erscheinen im Flensburger Hefte Verlag in zunehmendem Umfang auch weitere Bücher. So ist aus der Initiative, die seinerzeit „ehrenamtlich“ und mit einfachsten Mitteln die „Mitteilungen“ herausgab, ein gestandener Verlag erwachsen, der aus der anthroposophischen Bewegung nicht mehr wegzudenken ist und wichtige Impulse gegeben hat – und hoffentlich weiter geben wird.

Rezension in: Flensburger Tageblatt vom 04.09.1987
ZEITSCHRIFT FÜR ANTHROPOSOPHIE FINDET RESONANZ

Als 1978 das erste Heft der "Mitteilungen des Vereins zur Förderung der Waldorfpädagogik" erschien, ahnte keiner der Beteiligten, was sich daraus entwickeln würde. 25 solcher Hefte gingen an Mitglieder und Interessierte. Dann wurde die Waldorfschule gegründet. Und sie gab eigene Schulnachrichten heraus. Aus den Vereinsmitteilungen wurden "Mitteilungen anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen im Raum Flensburg". Der Umfang wurde größer, ebenfalls das Interesse auch außerhalb von Flensburg. Im Herbst 1985 erfolgte noch einmal eine Änderung. Titel der regelmäßig erscheinenden Hefte mit nun jeweils 120 bis 180 Seiten Umfang seitdem: "Flensburger Hefte". Und schließlich - der Kreis der Abonnenten im In- und Ausland stieg ständig - wurde eine Flensburger-Hefte-Verlagsgesellschaft W. Weirauch & Partner, Holm 64, in Flensburg gegründet. Bisherige Themen, die durch Interviews, Literaturhinweise, Artikel von Fachleuten vertieft wurden: Tod und Sterben; Waldorfschule und Anthroposophie; Idee und Form der Anthroposophischen Gesellschaft; Kulturvergiftung Rauschgift, Sucht und Drogentherapie -, um nur einige Hefttitel zu nennen. Nahezu 10.000 Exemplare wurden von dem Sonderheft "Partnerschaft und Ehe" verkauft. Ziel der vierteljährlich erscheinenden Publikationen ist es, die Zusammenarbeit aller anthroposophisch forschenden und tätigen Menschen und Einrichtungen zu fördern. Darüber hinaus sollen die Hefte Gegenwartsthemen unter anthroposophischen Aspekten darstellen. So soll der Austausch mit den verschiedensten wissenschaftlichen, religiösen und sozial-politischen Anschauungen der Gegenwart gesucht und gefördert werden.

Rezension in: Erziehungskunst 2/1991
Rezensent: Fabrizio Venturini

Flensburger Hefte - eine Gesamtbetrachtung

"Anthroposophie undogmatisch und konkret! Keine Worthülsen und keine geschwollenen Texte." Unter diesen Selbstanspruch stellen sich die Flensburger Hefte. Vor kurzen ist das 30. Heft dieser Vierteljahreszeitschrift erschienen. Thema: "Märchen". Das Jubiläum gibt Anlass, eine Gesamtbetrachtung dieser Publikationsreihe zu versuchen. Was ist das Besondere an dieser Zeitschrift?

Kursbücher der Anthroposophie

Das Besondere ist zum ersten die farbenfrische Aufmachung. Unter den anthroposophischen Bücherrücken stellen die Bände rein äußerlich bereits eine erkennbare Ausnahme dar, an der sich die Geschmäcker scheiden. Die einen sehen darin ein Indiz für mangelnde Seriosität. Andere spricht gerade die unprätentiöse Geste an. Wer aus der Studentenbewegung kommt, fühlt sich in manchem an die von Hans Magnus Enzensberger herausgegebene Zeitschrift "Kursbuch" erinnert. "Kursbücher schreiben keine Richtung vor. Sie geben Verbindungen an." Undogmatisch zu sein und dennoch Anstöße zu geben für ein kritisches Durchdenken des Zeitgeschehens, das war der Anspruch, der sich damit verband. Die Reihe wollte ohne Leugnung des eigenen (politischen) Standorts Linienverbindungen und Einstiegsmöglichkeiten aufzeigen für Leute, die entschlossen sind, sich geistig auf den Weg zu machen.

Das Besondere sind zum zweiten die Themen, deren Palette weit gefächert ist. Brachten die ersten Hefte vor allem Berichte der verschiedenen anthroposophisch orientierten Initiativen aus der regionalen Umgebung und einige meist damit in Zusammenhang stehende Interview-Artikel mit Leuten vor Ort ("Anthroposophie konkret"), so kristallisierten sich bald deutlicher für jede Ausgabe Schwerpunkte heraus. Infolgedessen ging man ab dem zehnten Heft vollends zu einer gezielt thematischen Editionsweise über. Wohl nicht zuletzt die ständig wachsende Nachfrage nach dem als Sondernummer erschienenen Heft "Partnerschaft und Ehe" hatte Entscheidendes dazu beigetragen, diesen Schritt wagen zu können. Etwas, das aktuell diskutiert wird, durch Beiträge von auf den entsprechenden Arbeitsfeldern tätigen Menschen mit Hilfe der Anthroposophie, jedoch immer aus der direkten persönlichen Erfahrung heraus, von verschiedenen Seiten zu beleuchten, das entwickelte sich sehr bald zum Grundkonzept der Schriftenreihe.

Im Dialog mit dem Zeitgeschehen

Wegen der Brisanz der Thematik der spürbaren Praxisnähe der Sachaussagen, den vielen Beobachtungen und Erfahrungsschilderungen aus einem eigenständig vertieften menschenkundlichen Fundament heraus und vor allem wegen der offenen und ehrlichen Sprechweise wurde das "Partnerschaft und Ehe"-Heft zu einem vielgelesenen "Renner".

Aber auch die übrigen Themen können sich sehen lassen: "Über Tod und Sterben", "Hexen, New Age, Okkultismus", "Erneuerung der Religion", "Erkenntnis und Religion", "Waldorfschule und Anthroposophie", zwei Hefte über "Kulturvergiftung" (Rauschgift und Alkohol), "Musik", "Biologisch-dynamische Landwirtschaft, Ökologie, Ernährung", "Aids", "Sexualität, Aids, Prostitution", "Direkte Demokratie - von 1786 bis zur Gegenwart", "Rechtsleben und soziale Zukunftsimpulse", dann "Michael - Januskopf Bundesrepublik", "Strafvollzug", "Naturwissenschaft und Ethik", schließlich "Märchen". Man bemerkt, das sind fast alles Titel, die den Fragestellungen der im engeren oder weiteren Umfeld der Anthroposophie stehenden Menschen angesichts des Zeitgeschehens abgelauscht sind. Es sind gerade viele der tabuisierten Themen darunter, um die jedoch viele Alltagsgespräche besonders der jüngeren Generation kreisen.

Problempunkte der Gegenwart also werden angesprochen. Themen, die so manchen, der am liebsten nur an das "solide Alte" sich halten möchte, schon deswegen provozieren können, weil sie den Pulsschlag der Zeit spüren lassen - und damit unausweichlich natürlich auch deren Sprachstil. Wer Zugang zu den Zeitgenossen sucht, darf aber an alten Zöpfen nicht hängen.

Dialogisch, auch im Wie

Die dritte Besonderheit, die an dieser Zeitschriftenreihe auffällt, ist die Vorliebe für den dialogischen Stil. Häufig wird vermittels Interviews in die Thematik eingestiegen. Wenn komplexere Hintergründe dabei angeschnitten werden, versucht man, wenn nötig, das Gesagte durch zusätzliche Artikel zu ergänzen. Im Vordergrund steht aber deutlich das aufgezeichnete und von den Beteiligten meist sorgfältig vor- und nachbearbeitete Gespräch.

Durch die Art, wie dieses Gespräch geführt wird, und durch die Zusammenstellung mit anderen Interviews und Darstellungen wird vor dem Leser eine reiche Vielfalt an Aspekten und Erfahrungswerten ausgebreitet. Manches kann sich so gegenseitig ergänzen, und auch Kontroversen werden nicht gescheut. Die Sachproblematik soll sich aussprechen - aber durch Menschen. Das scheint mir der Hauptgesichtspunkt zu sein. Es sei gestattet, dem ein wenig näher nachzugehen.

Überlegt man sich, was der Dialog dem üblichen Stil einer Sachdarstellung voraus hat, so kann man zu Antworten kommen, wie sie Thomas von Aquin und andere in ähnlicher Art formuliert haben: Der Dialog-Stil bringt Erkenntnisse ein, die zwischen Menschen anfangen lebendig zu werden, so daß sich zwischen den Menschen Wahrheit ereignen kann.

Gerade das nicht bloß intellektuelle Interesse will mehr als nur Informationen über Fakten, es möchte wissen, wie der andere Mensch damit umgeht, wie sich das spiegelt in dessen konkreten Erleben. Das echte Verstehen sucht alles zu umfassen, was als Objektives zwischen den Subjekten webt. Die "Sache an sich" ist ein Abstraktum. Wie die Sachen sich darstellen für die Menschen - darum geht es, darüber muß gesprochen werden.

Und schaut man historisch einmal zurück. Wo taucht das dialogische Prinzip zuerst auf? Dort, wo es darum geht, einen "Nichteingeweihten" selbständig etwas von der Wahrheit erspüren zu lassen. Der Protagonist dieser literarischen Form ist Platon. Der Dialog als Formprinzip findet dort Anwendung, wo es gilt, den Fragenden selbst ernst zu nehmen, wo versucht wird, ihn aus seiner eigenen Ausgangsposition heraus, sokratisch unterstützt, zu weiterer Einsicht kommen zu lassen.

Nicht zufällig geschah das volkspädagogische Wirken Rudolf Steiners - vom inneren Ansatz her - in Zwiegesprächen (vgl. die Arbeitervorträge). Auf die im Inneren sich vollziehende Gesprächshaltung kommt es dabei vor allem an; sie ist bei Steiner auch dort gegeben, wo er aus dem Dialog heraus das dann äußerlich oft allein Aufgezeichnete ausgeführt hat. Das Dialogische ist das Prinzip der echten Aufklärung; ihr Signum ist konsequente Undogmatik und unbedingtes Ernstnehmen der Freiheit des anderen. Schließt der Dialog-Stil der Flensburger Hefte hier an? Man kann das erst beantworten, wenn man sich das Wie der Interviewführung genauer anschaut.

Denkbar und heute weit verbreitet ist der Dialog als Schwindel. Im "Schwindel-Interview" bekommt der Leser eine gestellte Auseinandersetzung präsentiert, die ihm Lebendigkeit und persönlichkeitsgeprägtes Erleben nur vorgaukelt, um ihn selber um so besser passiv machen zu können. Solche Interviews bestehen aus Fragen und Antworten, die in der Regel nicht mit der Absicht gestellt und gegeben werden, die thematisierten Sachprobleme möglichst vielseitig zu beleuchten. Worauf es ankommt, ist im wesentlichen nur der Effekt. Das sprechendste Beispiel dafür sind Talkshows. Der Interviewstil der Flensburger Hefte hebt sich von den Intentionen und den sog. Knopfdruckmedien deutlich ab.

Die Fragen sind gründlich überlegt und gut vorbereitet. Der Befrager und der Befragte suchen sich als freie, an einem gemeinsamen Problempunkt interessierte Menschen zu begegnen, und nicht bloß als Funktionsträger. Dennoch ist die Situation natürlich inszeniert; man weiß, man sitzt wie auf einer Bühne, es gibt eine klare Rollenverteilung, vorgegebene thematische Motive, einen abgesteckten Zeitrahmen. Die Redenden sprechen vor einem imaginären "Publikum", aber sie wissen, es geht um das Lebendigwerden der Sache. Hinter dem scheinbar Leichten und Flüssigen auf beiden Seiten steht spürbar ein Ringen, sowohl um die Antwort wie auch schon um die Frage. Für den Interviewer geht es darum, den Gesprächspartner nicht mit dem eigenen Standpunkt zu überfahren, sondern mit ihm in dem Ton zu sprechen, der gerade für dessen Individualität der angemessenste ist. Das Ziel ist das Einfangen nüchterner Sacheinsichten in persönlicher Frische und Unmittelbarkeit. Das ist eine Kunst. Sie kann nicht immer in höchster Vollkommenheit gelingen. Schon daß dies in der nun 30. Folge unternommen wurde, verdient Dank. Um so mehr, wenn man sich die fast immer hervorragende inhaltliche und stilistische Qualität der Hefte vor Augen hält.

Glanznummern

Herauszuheben sind die beiden Hefte über "Musik" und "Sexualität, Aids, Prostitution". Mit ihnen wurde etwas gewagt, was auf unkonventionelle Art Annäherungen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven ermöglicht und die anthroposophische Denkweise zu wirklicher und nicht ausweichender Bewährung mit der aktuellen Lebenspraxis konfrontiert. Besonders zum Thema Musik wünscht man sich eine Fortsetzung. Charakteristisch ist, daß unangenehmen Erscheinungen der Zeit nicht ausgewichen wird.

In anderer Weise hervorragend sind die Hefte über "Engel" und über "Märchen". Die Darstellung ist zeitgemäß und verständlich, neues Leben kommt in festgefahrene Begriffe. Und vor allem: Wieviel Substanz, das Soziale betreffend, findet sich hier! Für den in dieser Hinsicht Interessierten können diese beiden Hefte vielleicht ergiebiger sein als die das Politische direkt thematisierenden Hefte.

Mit letzterem hatte die Redaktion eine nicht ganz so glückliche Hand. Da sind vergleichsweise randständige Themen vor lauter Engagement wichtiger gemacht worden als das zentrale Anliegen, die soziale Dreigliederung, selbst.

Insgesamt muß den Redakteuren ob ihrer Leistung Anerkennung gezollt werden. Es bleibt zu wünschen, daß diese mutige und wichtige Zeitschriftenreihe noch lange weiterbesteht.

Flensburger Hefte Verlag GmbH
Holm 64
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