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Destruktive Kulte ( Sekten ) verletzen die Menschenwürde unter dem Schutz der Religionsfreiheit. Seit fast zwei Jahrzehnten werden in den politischen Parteien, Institutionen und Parlamenten Anträge zu dieser Problematik angenommen und Entschließungen gefaßt. Für die betroffenen Menschen geschieht aber wenig oder gar nichts, um sie in ihrer Menschenwürde zu schützen. Nach dem Austritt aus dem Kult erleben sie oft eine Stigmatisierung durch Staat, Kirche und Gesellschaft. Die Kirchen verschanzen sich hinter Ansprüchen auf Wertfreiheit und interreligiösen Dialog mit den Kulten.
Es handelt sich hier um ein gesamtgesellschaftliches Problem von großer Brisanz und Tragweite. Dieses Buch will Hintergründe und Fakten dieser Problematik aufzeigen.
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Rezension in: forum jugend-religionen 1 /2 1993
Rezensent: Armin Müller
Klaus Engels legt mit diesem Buch in der Reihe der Flensburger Hefte eine Dokumentation seiner eigenen Erfahrungen bei der Aufklärungsarbeit über die sog. Jugendreligionen bzw. destruktiven Kulte vor. Dem am Ende des Buches abgedruckten Lebenslauf ist zu entnehmen, daß der Autor in den Jahren 1982 und 1983 Mitglied der Mun-Sekte war und diese Bewegung durch Flucht verlassen hat.
Bevor der Autor jedoch aufgrund der für ihn destruktiven Erfahrungen im Kult der Vereinigungskirche sich außergewöhnlich intensiv für die Aufklärungsarbeit und Gründung eines Rehabilitationszentrums für Kultgeschädigte eingesetzt hat, was im zweiten Kapitel des Buches dokumentiert wird, stellt er im ersten Teil die Strukturen und den gefährlichen Einfluß einiger ausgewählter Kultbewegungen vor. Der Leser findet teils persönliche, teils dokumentarisch zusammengefaßte Berichte über die destruktiven Wirkungen des Erhard-Seminar-Trainings (EST), des Universellen Lebens e.V. (auch Heimholungswerk Jesu Christi genannt) und zweier katholischer Bewegungen, der Personalprälatur Opus Dei und des von der römisch-katholischen Kirche abgefallenen Ordens der Karmeliter vom Heiligen Antlitz (die sog. Katholische palmerianische Kirche). Weniger wissenschaftlich als vielmehr erzählerisch und teilweise polemisch erklärt der Autor eindringlich, in welcher Weise die nach J. Lifton bekannten Methoden der Gedankenreform (Milieukontrolle, Forderung nach Reinheit, Heiligung der Wissenschaft, sprachliche Beeinflussung, Beherrschung der Person durch eine Doktrin und Dispensierung von der Existenz des Menschen) in diesen Bewegungen angewandt werden und einen stark beeinträchtigenden negativen psychischen Einfluß auf die Kultmitglieder ausüben. (vgl. S.62-68)
Im zweiten Teil des Buches (S.111-156) beschreibt Klaus Engels, in welcher Weise er sich für die Aufklärung über destruktive Kulte und für die Gründung eines Rehabilitationszentrums für Kultgeschädigte eingesetzt hat. Dabei ist er nach eigenen Erfahrungen auf zahlreiche Widerstände bei Ministerien und Behörden gestoßen mit der Folge, daß sowohl die Gründung einer Beratungsstelle, als auch die Gründung eines Reha-Zentrums für Kultgeschädigte finanziell nicht unterstützt wird. Der Autor dokumentiert seine Bemühungen detailliert anhand der Wiedergabe der wichtigsten Stationen des Schriftwechsels mit entsprechenden Behörden. Wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang neben der fehlenden finanziellen Unterstützung und der Darstellung der Entscheidungsgründe gegen den Verein Pegasus e.V. (vgl. S.119-133) jedoch die im Anhang (S.204-210) dokumentierte Konzeption der Arbeit dieser „Sozialtherapeutischen Gemeinschaft für kultgeschädigte Menschen“ zu sein, weil hierbei deutlich wird, wie Kultgeschädigte nach der Mitgliedschaft in außerkirchlichen und kirchlichen destruktiven Kulten aus der Sicht eines ehemaligen Mitglieds der Vereinigungskirche betreut werden müßten. Solche Aussagen fehlen bisher in der Literatur.
Allerdings bleibt unklar, welche konkreten psychotherapeutischen Praktiken hierbei notwendig sind, um Kultgeschädigten zu helfen. Es bleibt zu hoffen, daß dieses Buch einen Anstoß zu einer intensiven Auseinandersetzung über die aufgezeigten Problemstellungen liefert.
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