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FLENSBURGER HEFTE 66 Zurück Hellsehen Der Blick über die Schwelle
Leseproben:
1. Johannes W. Schneider, Psychologe und Dozent, erläutert in dem Interview "Hellsehen und anthroposophischer Schulungsweg" verschiedene anthroposophische Hintergründe des Hellsehens, u.a. was ein Hellseher schauen kann und was nicht:
Auch ein Hellseher sieht nicht alles Klaus-Dieter Neumann: Können Sie einmal schildern, was ein Hellseher im Astralleib eines anderen Menschen sieht? Johannes W. Schneider: Das hängt davon ab, was überhaupt der Ansatzpunkt für diese Aufmerksamkeit war. Man schaut nicht einfach so in der Aura eines anderen Menschen nach, wie man auch nicht in die Wohnung eines anderen geht und seinen Briefverkehr durchstöbert. Wenn mich aber ein Mensch um meinen Rat fragt, dann ist es eben dieses Lebensproblem, worauf ich meine Aufmerksamkeit richte. Dann werden auch ganz bestimmte Dinge auftreten, die damit zu tun haben. Dabei kann es sich z.B. auch um bestimmte Störungen innerhalb der Seelenvorgänge dieses Menschen handeln, vielleicht auch um deren weit zurückliegende Ursachen. Und anderes tritt dabei völlig in den Hintergrund. Wenn ich gesunde Augen habe und sie aufschlage, dann sehe ich alles, was in diesem Zimmer vorhanden ist. Aber es wäre ein großer Irrtum, wenn man meinen würde, daß man in ähnlicher Weise sein geistiges Auge aufmachen könnte und dann alles sehen würde. Man schaut nur dasjenige, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet ist, weil dafür ein Anlaß besteht, also z.B. eine Bitte um Hilfe. K.-D.N.: Man sieht also die Seele des anderen Menschen nicht in allen ihren Schichten voll entfaltet vor sich? J.W. Schneider: Nein, und vor allem nicht, wenn kein Anlaß dafür besteht. Der gewissenhaft hellsehende Mensch sieht von der Seele in der Aura des anderen Menschen überhaupt nichts, wenn kein Anlaß besteht, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Dieser Anlaß besteht im allgemeinen, wenn es um einen Rat oder um eine Hilfe geht.
Hellsehen, Irrtum und Erkenntnissicherheit K.-D.N.: Wie kann ein Hellseher seine Schauungen prüfen? J.W. Schneider: Das ist natürlich für denjenigen sehr schwierig, der zwar hellsichtig ist, aber nicht eingeweiht. Wer sich auf der Visions- oder Imaginationsebene befindet und nicht zur Inspiration vordringt, für den wird es schwer, seine Schauungen richtig einzuordnen, zu verstehen und zu prüfen. Wenn man zur Inspiration vordringt, schrumpfen bestimmte Imaginationen zusammen und werden bedeutungslos, während andere an Bedeutung gewinnen. Solange man aber rein auf der Bildebene ist – sei es nun die alte Vision oder auf dem anthroposophischen Meditationsweg die Imagination –, ist es sehr schwer, aus diesem Wahrnehmen heraus Kriterien und Korrekturen zu finden. Auf den alten Meditationswegen gab es eine Korrektur durch den Lehrer. Wenn dort relativ schnell die übersinnlichen Wahrnehmungen auftauchten, dann hat der Lehrer aus seiner Erfahrung heraus, die über die Imaginationsebene hinausging, sagen können, was bedeutsam und was weniger bedeutsam ist, und auch vor Gefahren warnen können, die eventuell damit verbunden sind. Heute hat der Mensch, der ohne Lehrer diesen Weg geht, die Möglichkeit, sich durch das Leben korrigieren zu lassen, also z.B. durch andere Menschen. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Wenn ich in einem Vortrag etwas Neues darzustellen habe, dann ist für mich sehr wichtig, wie die Zuhörer das aufnehmen. Ich versuche dann wahrzunehmen, ob der andere das gut aufnehmen kann oder ob es ihm nur ein interessanter Gedanke ist, der aber den Menschen in ihm nicht anspricht und mitsprechen läßt. Bei bestimmten Menschen tritt das sehr deutlich hervor. Besonders bei alten Menschen kann ich das immer wieder sehr deutlich beobachten, so daß die Art, wie sie etwas hörend aufnehmen, für mich zu einer Korrektur wird. Ein weiteres persönliches Beispiel ist, daß ich einen Aufsatz über den Blick von Engeln geschrieben habe. Als er im Konzept fertig war, entstand die Frage, ob es auch stimmte, was ich dort über den Blick der Engel dargestellt hatte. Als ich mich mit dieser Frage beschäftigte, saß ich eines Abends im Restaurant meines Urlaubshotels, und ein zweijähriges Kind kam mit seinen Eltern in das Restaurant herein, löste sich von den Eltern, ging auf mich zu und schaute mich mit einem Blick an, der genau dem geschilderten entsprach. Das Leben spielte mir also eine Bestätigung zu. Es muß nicht immer so auffällig sein, aber es gibt immer wieder solche Korrekturen am Leben. Man muß nur warten können, daß sie kommen. Eine Korrektur finde ich immer wieder in der Zeit. Wenn ich mir einer Sache nicht ganz sicher bin, kann ich sie zunächst einmal ausformulieren und dann ein halbes Jahr oder auch zwei Jahre ruhen lassen. Wenn ich dann später darauf zurückkomme, merke ich oft, daß dieses oder jenes einseitig formuliert oder noch nicht ausgereift war. Aber dazu braucht man Geduld, man muß warten können. K.-D.N.: Wie können Aussagen, die auf Hellsehen beruhen, von anderen Menschen geprüft werden, die keine hellsichtigen Fähigkeiten haben? J.W. Schneider: Da hat man vor allem die Möglichkeit zu untersuchen, ob das Mitgeteilte für das eigene Denken schlüssig und nachvollziehbar ist. Wenn das nicht der Fall ist, ist die Sache für mich bedeutungslos. Daraus folgt auch, daß eine geistige Erkenntnis so ausgesprochen sein sollte, daß sie das Denken überzeugen kann. Dann erst wird sie auch mitteilbar. K.-D.N.: Kann ein Eingeweihter sich irren? J.W. Schneider: Ja, jeder Mensch kann sich irren, und der Eingeweihte ist ein Mensch. K.-D.N.: Man würde also Rudolf Steiner das Menschsein absprechen, wenn man behaupten wollte, er habe sich nicht irren können? J.W. Schneider: Ja, die Irrtumsmöglichkeit kann man keinem Menschen absprechen. Die Frage, ob er sich geirrt hat, ist dann noch eine andere. Aber die Möglichkeit muß man immer in Betracht ziehen. Man muß damit rechnen, daß auch der höchste Eingeweihte sich irren kann.
2. Wolfgang Weirauch, Redaktion FH, stellt seinem Artikel "Licht am Rande der Welt" über die anthroposophischen Grundlagen des Hellsehens einige persönliche Erlebnisse aus seinem Urlaub und seiner Schulzeit voran:
Die schwarze Katze Neulich, als wir mit dem Auto unterwegs waren, überquerte vor uns eine schwarze Katze die Straße. Am Straßenrand angekommen, verharrte sie, blickte sich um und schaute uns entgegen. Aber plötzlich machte sie kehrt, lief zurück auf die Straße und knallte gegen unser Auto. Sie war sofort tot. Nur ihr Schwanz zuckte noch reflexartig auf und ab. Zwar traf uns überhaupt keine Schuld, aber der ganze restliche Tag war von einem bedrückenden Gefühl überschattet. Wären wir doch bloß nicht diese Straße entlanggefahren, schließlich wollten wir – wie immer – einen ganz anderen Weg nehmen! Nur ein dummer Zufall verursachte es, daß wir diesen Weg einschlugen. Die Katze hatte sich ungewöhnlich benommen. Erst rannte sie über die Straße und war in Sicherheit, und dann kehrte sie um und lief in ihren Tod. Zwar war es "nur" eine Katze, aber immerhin ein Lebewesen. Es hätte ja auch ein Kind sein können! Schlagartig wurde uns klar, wie nah man der Möglichkeit nach doch immer vor unzähligen Unglücken und Katastrophen steht bzw. wie leicht und aus scheinbar heiterem Himmel sie auch wirklich eintreffen können. Wenn wir nun vorher gewußt hätten, daß wir eine Katze überfahren würden? "Gut", werden Sie vielleicht sagen, "dann wären Sie wahrscheinlich eine andere Straße entlanggefahren." "Mit Sicherheit", würde ich Ihnen antworten, "schade, daß man nicht in die Zukunft sehen kann." Aber ist dem auch wirklich so? Wenn die Katze nun an diesem Ort sterben sollte? Dann hätten zwar wir diesen Weg nicht eingeschlagen, aber ein anderes Auto hätte die Katze überfahren. Aber wenn nun wir das Erlebnis haben sollten, eine Katze zu überfahren? Dann hätten wir wohl dem Ereignis gar nicht ausweichen können. Und wie wäre uns vorher zumute gewesen, wenn wir davon auch noch gewußt hätten? Und nun stellen Sie sich vor, Sie haben ein hartes Arbeitsjahr hinter sich. Der tägliche Streß hat sie in die Nähe eines Herzinfarktes gebracht, der verdiente Urlaub steht kurz vor der Tür: drei Wochen Entspannung auf einer einsamen Insel. Die Vorfreude beschwingt sie schon Wochen vorher und hilft Ihnen über die arbeitsintensivsten letzten Wochen hinweg. Stellen Sie sich weiterhin vor, jemand würde Ihnen am ersten Urlaubstag glaubhaft eröffnen, daß Sie am Ende Ihres Urlaubs ein Kind überfahren würden und daß dieser Vorfall unausweichlich sei. Was wäre das für ein Urlaub? Ich denke, es erübrigt sich, diese Frage zu beantworten.
Gummimann Während meiner Schulzeit war ich unter anderem auf einem humanistischen Gymnasium, wo sich eine altertümliche, extrem konservative, teils sadistische, auf jeden Fall alle Pädagogik vermissen lassende Truppe von Lehrern eingefunden hatte. In der Obertertia (9. Klasse) blieb ich sitzen und bekam in Mathematik einen kleinen drahtigen Herrn als Lehrer, der grundsätzlich in demselben Anzug – er schien aus dem letzten Jahrhundert zu stammen, teils mit Löchern, teils mit Kreideflecken übersät –, mit Plastikkragen und Nickelbrille herumlief. Seine Bücher und Schulmaterialien trug er nie in einer Aktentasche, sondern zu einem Bündel geschnürt in der Hand. Das Bündel hielt er fest an seine Seite gedrückt, wenn er wie üblich mit großer Geschwindigkeit die Straße entlang oder durch die Flure flitzte. Und wenn er um eine Ecke bog, neigte er sich dabei immer etwas in die Kurve. Ich erinnere mich noch genau, wie ich in meiner ersten Stunde eine Textaufgabe aus dem Mathematikbuch vorlesen sollte. Ich begann zu lesen, aber schon nach wenigen Worten unterbrach er mich brüllend, schalt mich einen Dummkopf und machte mir dann zusammen mit dem Klassenbesten vor, wie es in dieser Klasse zu lesen Usus war: Drei Worte lesen – Pause – drei Worte lesen – Pause – und immer so weiter; wider den Sinn des Textes. Und während der Klassenbeste vorlas und jeweils sinnwidrig pausierte, dirigierte der Lehrer vor der Klasse den Takt des Unsinnsszenarios, indem er mit beiden Armen mit kurzen zackigen Bewegungen auf- und niederfuhr. Wer zu leise sprach, wurde auf den Schulhof expediert und mußte aus einer Entfernung von bestimmt 100 Metern Fragen beantworten, die ihm der Lehrer oben aus dem Klassenzimmer zubrüllte. Wer im Unterricht schwatzte, wurde zusammengeschrien, mußte in der Ecke stehen oder bekam eine Klassenbucheintragung. Die erste erhielt gleich der Klassenbuchführer, weil er ihm das Klassenbuch zu Beginn der ersten Stunde nicht im Laufschritt brachte. Fachlich sicherlich ein Genie, kokettierte er auch mit einer gewissen Unkonventionalität, indem er z.B. – nachdem die Tafel mit Formeln und Aufgaben vollgeschrieben war – einfach an der olivgrün lackierten Wand weiterschrieb oder in seinem mathematischen Vortrag kleine persönliche Begebenheiten einschob, kurz in seinem Redefluß stockte, wie geistesabwesend zur Decke starrte und z.B. sagte: "Ich sehe meine Großmutter im Sarg. Sie verfault." Oder er riß am Anfang der Stunde die Tür auf, kam auf den Zehenspitzen in die Klasse getrippelt, zwirbelte mit den Fingern vorm Gesicht und intonierte mit geschlossenen Augen: "Wir gehen an das X wie der Maikäfer an die Suppe." Seinen Spitznamen Gummimann erhielt er unter anderem deswegen, weil er trotz seines Alters noch äußerst drahtig und gewandt war und mitunter auf die Schulbänke sprang und Ohrfeigen an die Schüler verteilte, obwohl das längst verboten war. Einem Freund von mir zerschlug er dabei ein Trommelfell. Einen anderen – meinen Banknachbarn, der bestimmt 40 cm größer als der Lehrer war – schnappte er sich einmal mitten auf dem Schulhof – warum, ist mir entfallen –, packte ihn am Ohr, zog ihn nach unten und führte den im rechten Winkel gebückt gehenden Schüler durch die johlende Menge seiner Mitschüler und rief im Brustton seines kleingeistigen Triumphes: "Es zog ein Mann ins Römerland, führt' einen Esel an seiner Hand." Ähnlich gelagert, teils noch fieser, waren sehr viele Lehrer dieser Schule. Es würde einen ganzen Roman füllen, alle Eigenarten und Begebenheiten dieser Herren aufzuschreiben. Daß wir Schüler sie verachteten, teils vielleicht sogar haßten, sie andererseits auch fürchteten, dürfte nicht schwer zu verstehen sein. Unfaßbar, welches Spektrum unterschiedlicher Gefühle Stunde für Stunde in den Klassen freigesetzt wurde! Nun stellen Sie sich vor, dieser Gummimann wäre hellsichtig gewesen und hätte täglich die verkappte Wut, Angst zu versagen, die Peinlichkeitsgefühle und verhaltenen Aggressionen der Schüler als übersinnliche Wahrnehmungen geschaut. Nebenbei bemerkt: Ihm und den anderen Lehrern dieser anormalen Schule hätte das aus therapeutischen Gründen sicherlich sehr gut angestanden. Aber nehmen wir nur normale Umstände, vielleicht eine Lehrer-Klassensituation heute: Wenn Sie Lehrer wären, und Sie hätten die Fähigkeit, jede Gefühlsregung, vielleicht sogar alle Gedanken Ihrer Schüler zu sehen – dann wäre kaum ein normaler Unterricht mehr möglich. Entsprechend wäre es in jeder anderen Lebenslage. Sicherlich hätte es unter bestimmten Umständen sein Gutes, die Gedanken und Gefühle seiner Mitmenschen zu lesen, vielleicht würde es auch die Neugier befriedigen und das Leben disziplinieren, aber normalerweise würde das zwischenmenschliche Verhältnis dadurch enorm erschwert. Denken Sie weiter: Sie könnten plötzlich Ihre gesamten Erdenleben überblicken, alle Verhältnisse zu Ihren Mitmenschen, Freunden, Partnern, Feinden wären mit einem Mal erhellt. Das wäre interessant und aufschlußreich – ungelogen. Aber wäre es wirklich vorteilhaft? Welche Belastung, wenn Sie plötzlich wüßten, daß Ihr bester Freund Ihnen im letzten Leben etwas Fürchterliches angetan hat. Welche Belastung, wenn Sie mit einem Mal wüßten, daß Ihre Arbeitskollegen im letzten Leben einer Menschengruppe angehörten, die Taten vollbracht haben, die Sie ganz besonders verabscheuen. Ich brauche keine weiteren Beispiele zu nennen. Ihre Phantasie und die Kenntnis Ihrer persönlichen Verhältnisse wird Ihnen sehr viel besser mitteilen, was geschehen würde, wenn Sie durch übersinnliche Wahrnehmung alles über sich und Ihre Mitmenschen wüßten. Deswegen ist es weise eingerichtet, daß wir momentan – bis auf Ausnahmen – nicht hellsichtig sind. Aber das war nicht immer so und wird auch nicht immer so bleiben.
3. Gabriele Hoffmann ist als Wahrsagerin und Heilerin in Berlin tätig. Sie sagte nicht nur den Fall der Mauer und die Entführung des CDU-Bürgermeister-Kandidaten Peter Lorenz voraus, sondern auch einen Währungscrash für Euroland im Jahre 2007. Lesen Sie einen Auszug aus dem Interview "Die Kassandra von der Spree":
"Ich sah die Entführung von Peter Lorenz" Wolfgang Weirauch: Sie haben die Entführung von Peter Lorenz vorausgesagt. Können Sie das kurz schildern? Gabriele Hoffmann: Ich habe drei konkrete Geschehnisse geschaut, die mit der Öffentlichkeit zu tun haben. Und das eine hing eben mit Peter Lorenz zusammen. Ich war damals etwa 22 Jahre alt. In Berlin war gerade Wahlkampf, und ein Journalist fragte mich, ob ich bereit wäre, eine Prognose zur Wahl abzugeben. Ich antwortete ihm, daß ich das nur könne, wenn ich die drei Spitzenkandidaten persönlich kennenlerne. Dann könne ich sehen, wer das Amt bekomme bzw. wie sich das persönliche und berufliche Leben der betreffenden Menschen entwickele. Heute bin ich in bezug auf solche öffentlichkeitswirksamen Angelegenheiten wesentlich zurückhaltender, aber damals ging ich damit noch etwas lockerer um. Ich fuhr also mit dem Journalisten u.a. zu Peter Lorenz und traf ihn in seinem Büro. Peter Lorenz begrüßte mich, aber nach der Begrüßung mußte ich noch einige Minuten warten. Gleich als ich ihn sah, bekam ich eine fürchterliche Panik, und ich wußte, daß mit ihm etwas ganz Schreckliches passieren würde. Als ich mit dem Journalisten vor Lorenz' Büro wartete, wollte ich die Sitzung nicht durchführen und sagte ihm auch, daß mit Peter Lorenz etwas Schreckliches geschehen würde. Aber der Journalist überredete mich, und ich versetzte mich dann in Gegenwart von Peter Lorenz und dem Journalisten in Trance. Dieser Journalist hat damals Notizen gemacht. In meinem Trancezustand sah ich Peter Lorenz auf einem Bett sitzen, zerschunden und gedemütigt, in einem langen schmalen gelben Zimmer. Und ich habe gesehen, daß er gefangen war. Ich wußte allerdings nicht, ob dies ein Gefängnis oder etwas anderes war. In der Trancesitzung habe ich mich folgendermaßen artikuliert: Ich sehe in sechs Wochen eine unfreiwillige Reise durch sieben junge Leute. – Das war für meine Begriffe eine sehr orakelhafte, wenn auch außerordentlich treffende Aussage. Normalerweise spreche ich nicht orakelhaft. Vielleicht habe ich die Angelegenheit damals auch abgeschwächt, weil sie mir zu ungeheuerlich erschien. Genau sechs Wochen später wurde Peter Lorenz entführt. W.W.: Wie reagierte Peter Lorenz auf Ihre Vorhersage? G. Hoffmann: Er äußerte sich in etwa so, daß sich das mit der unfreiwilligen Reise recht spannend anhöre. W.W.: Haben Sie nach seiner Freilassung noch einmal über die Angelegenheit mit ihm persönlich gesprochen? G. Hoffmann: Ja. Das war aber ein ziemlicher Trouble. Als Peter Lorenz sechs Wochen später entführt wurde, rief mich der betreffende Journalist ganz aufgeregt an und fragte mich, ob ich in dieser Angelegenheit etwas weiteres sagen könne, z.B. um den Entführten aufzuspüren. Ich bekam plötzlich eine ungeheure Angst und teilte ihm mit, daß ich mit diesem Angstgefühl nicht unbefangen in Trance gehen könne. Daß Peter Lorenz aber wieder freigelassen und weiterleben würde, war mir vollkommen klar, denn ich sah, daß er ein bestimmtes Alter erreichen würde. Nach seiner Freilassung sprach ich noch einmal in der Presse über diesen Vorfall und bekam daraufhin von Peter Lorenz einen Brief, in dem ich aufgefordert wurde, mich wegen der laufenden Ermittlungen ein Jahr zu dieser Sache nicht öffentlich zu äußern. Nach etwa eineinhalb Jahren habe ich dann wieder öffentlich darüber gesprochen. Kurz darauf traf ich Peter Lorenz auf einem Presseball, wo er mich aufforderte, mich in dieser Angelegenheit nicht mehr öffentlich zu äußern; ansonsten würde er rechtlich dagegen vorgehen. Daran habe ich mich aber nicht gehalten, und auch von Peter Lorenz habe ich seitdem nie wieder etwas gehört.
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