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FLENSBURGER HEFTE 63 Zurück Feldzug gegen Rudolf Steiner Über O.T.O.-, Rassismusvorwürfe und Angriffe auf die Waldorfschulen
Leseproben:
1. Zu den nicht bewiesenen Vorwürfen, daß Rudolf Steiner Mitglied im O.T.O. gewesen sei, schreiben Klaus-Dieter Neumann und Wolfgang Weirauch, beide Redaktion FH:
Ende Januar/Anfang Februar 1997 ging ein Ruck der Empörung durch die anthroposophische Bewegung: Guido und Michael Grandt hatten ihr unsägliches "Schwarzbuch Anthroposophie" vorgelegt. Mit diesem Buch versuchten sie nachzuweisen, daß Rudolf Steiner O.T.O.-Mitglied und damit in dunkle Machenschaften verstrickt gewesen sei. Sie meinten, die Anthroposophie als "okkult-rassistische Weltanschauung" (so schon auf dem Buchtitel) herabsetzen zu können und sie verdammten den Okkultismus schlechthin. Und sie glaubten, durch Aufdeckung vermeintlich gravierender Mißstände – insbesondere an einer Waldorfschule – die Waldorfpädagogik anschwärzen und diskreditieren zu können. Binnen kurzem gab es zahlreiche Pressekonferenzen, Presseerklärungen und Zeitungsartikel zu diesem Buch, und aufgrund der vielen im "Schwarzbuch Anthroposophie" enthaltenen Falschaussagen wurde eine ganze Reihe von rechtlichen Schritten dagegen unternommen, u.a. mit dem Ergebnis, daß das Buch schließlich durch den Verlag vom Markt genommen wurde. Bei aller berechtigten massiven Kritik – Voreingenommenheit, schlechte Recherche, einseitiger Blickwinkel, zahlreiche Fehler, tendenziöse Stimmungsmache – wurde durch das Buch der Grandts auch deutlich, daß die Andichtung inhaltlicher Verstrickungen Steiners in üble Machenschaften und den O.T.O. sich auf ein bis dahin bestehendes Manko stützen bzw. davon profitieren konnte. Denn bis dahin ermangelte es einer dezidierten Schilderung, daß durch die Anknüpfung Steiners an den Memphis-Misraim-Ritus über Theodor Reuß zur Einrichtung der kultischen Abteilung seiner Esoterischen Schule ("Misraim-Dienst" oder auch "Mystica Aeterna"; existierte bis 1914) kein Zusammenhang – inhaltlich sowieso nicht, aber eben auch nicht formal – mit dem O.T.O. durch eine Mitgliedschaft Steiners zu konstruieren ist. Fast in der gesamten Sekundärliteratur – auch von anthroposophischen Autoren – hatte es bis zum Erscheinen des Grandt-Buches mehr oder weniger übereinstimmend und mehr oder weniger beiläufig geheißen, daß Steiner dem O.T.O. beigetreten oder dort durch eine formale Vereinnahmung ungewollt Mitglied geworden sei. Und es wurde bis dahin auch nicht definitiv klargestellt, daß eine auch nur formale O.T.O.-Mitgliedschaft Steiners niemals bestand. Auch wir haben uns auf falsche Darstellungen verlassen und in unserem Flensburger Heft 33, "Destruktive Kulte" (1991), diese entscheidende Ungenauigkeit übernommen und einen formalen Zusammenhang behauptet, der allerdings inhaltlich ohne jede Bedeutung ist. Und auf letzteres kommt es entscheidend an. Denn das haben nicht nur wir in dem entsprechenden Artikel klar und deutlich ausgesprochen, daß es keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen Steiner und dem O.T.O. gibt, sondern man wird keinen anthroposophischen Autor und Sachkenner finden, der die krude Behauptung einer inhaltlichen Beziehung aufstellt. Und hier ist es vornehmlich das Verdienst der Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung – insbesondere der Herausgeberin Hella Wiesberger –, daß in dem 1987 erschienenen Band 265 der Rudolf Steiner Gesamtausgabe, "Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule 1904–1914", sämtliche für den durch Steiner neu konstituierten Misraim-Dienst relevanten Vorgänge dokumentiert, kommentiert und erläutert sind. Und man muß schon vollkommen ignorant oder mit intellektueller Blindheit geschlagen sein, wenn man vor dem Hintergrund dieser 526 Seiten umfassenden detaillierten Darstellung und unter Hinzuziehung der entsprechenden anderen Bände der Gesamtausgabe, in denen die esoterische Lehrtätigkeit Steiners wiedergegeben und dokumentiert ist, behaupten wollte, daß irgendein inhaltlicher Bezug zum O.T.O., womöglich noch zu den erst späteren Entgleisungen eines Aleister Crowleys, bestünde. Sieht man dann noch auf das Lebenswerk Rudolf Steiners, die Anthroposophie in ihrer Gesamtheit und die soziale und kulturtragende Arbeit der anthroposophischen Einrichtungen auf den verschiedensten Lebensfeldern, dann wird die Absurdität einer solchen Behauptung jedem – ob nun Anthroposoph oder nicht –, der die Lebensleistungen anderer Menschen zu respektieren vermag, deutlich. Das gleiche gilt im übrigen für den Rassismusvorwurf. Es bedarf wahrlich keiner Übereinstimmung mit anthroposophischen Anschauungen, um klar zu sehen, daß hier Rudolf Steiner und die Praxis der Anthroposophie diffamiert werden sollen, und zwar von Leuten, die sich zwar als die großen Beschützer vor Diskriminierung und ungerechter Behandlung aufspielen, selbst aber, wenn es um Andersdenkende geht, nicht vor Diffamierung und Diskriminierung zurückschrecken. Die Lücke einer mangelnden Klarstellung, daß Rudolf Steiner auch formal nicht das geringste mit dem O.T.O. zu schaffen hatte, wurde nach Erscheinen des "Schwarzbuches" schnell geschlossen, um den unsäglichen Verquickungen, die die Grandts meinten, inhaltlich herstellen zu können, jeglichen Boden zu entziehen. Mitarbeiter der Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung, des Bundes der Freien Waldorfschulen, der Anthroposophischen Gesellschaft, des Info3-Verlages sowie Josef Dvorak, Peter-R. König und andere machten sich an die Arbeit und wiesen nach, daß zu keinem Zeitpunkt von einer O.T.O.-Mitgliedschaft Steiners gesprochen werden kann. Auch wir von den Flensburger Heften haben eine dementsprechende Presseerklärung herausgegeben. Die Ergebnisse dieser Arbeiten wurden zu verschieden Anlässen vorgestellt und vor allem auch publiziert. Insbesondere sei hier auf folgende Publikationen verwiesen: Hella Wiesberger/Julius Zoll: Über Rudolf Steiners Verhältnis oder Nicht-Verhältnis zum O.T.O. Studie aus dem Archiv der Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung. In: Das Goetheanum, Nr.40/05.01.1997; Stefan Leber: Schwarzmagisches Sektierertum und geistige Verführung. Neue Versuche, Anthroposophie und Waldorfschulen zu diskreditieren. In: Das Goetheanum, Sonderbeilage zur Nr.44/02.02.1997; Hella Wiesberger: Rudolf Steiners esoterische Lehrtätigkeit. Wahrhaftigkeit, Kontinuität, Neugestaltung. Dornach 1997. In diesem Buch Hella Wiesbergers ist der aktuelle Forschungsstand des Rudolf Steiner-Archivs auf den Seiten 277–295 zusammenfassend wiedergegeben. Mit dem von Guido und Michael Grandt aufgegriffenen Thema angeblicher rassistischer Tendenzen in der Anthroposophie Rudolf Steiners betraten die Autoren ebensowenig Neuland wie mit anderen zusammengeklaubten Zitaten, denn es lagen bereits zahlreiche mehr oder minder genügende Publikationen zu diesem Sachverhalt vor, wobei wir vor allem auf das bereits 1993 erschienene Flensburger Heft 41, "Anthroposophie und Rassismus", verweisen können. Doch auch andere Anthroposophen hatten längst an diesem Thema gearbeitet und dazu auch publiziert (so z.B. Klaus-Peter Endres/Wolfgang Schad: Die Vielfalt des Menschen. Die verschiedenen Annäherungen Rudolf Steiners an das Problem der menschlichen Rassen. In: Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland, Nrn. 1–3, 1993. Und dann, etwas erweitert, 1995 als Sonderheft der Mitteilungen: "Geistige Individualität und Gattungswesen. Anthroposophie in der Diskussion um das Rasseverständnis"). Desweiteren wurden die Rassismusvorwürfe auch schon lange vor Erscheinen des "Schwarzbuches" auf etlichen Arbeitstreffen und Mitgliederzusammenkünften in der Anthroposophischen Gesellschaft behandelt. Besonders in den Niederlanden war man für dieses Thema sensibilisiert, und aufgrund von massiven Rassismusvorwürfen und öffentlichen Debatten hat der Vorstand der Anthroposophischen Vereinigung der Niederlande 1996 eine Kommission beauftragt, ein Gutachten zu diesen Vorwürfen zu erstellen. Grundlage dafür sollte die vollständige und systematische Untersuchung der Gesamtausgabe Steiners sein. Im Februar 1998 hat die Kommission dann nach Erledigung von etwa 70 % der Arbeit einen Zwischenbericht vorgelegt, in dem sie zu dem Ergebnis kommt: "Im Werk Rudolf Steiners kommt keine Rassenlehre vor. Es enthält auch keine Aussagen, die mit der Absicht gemacht wurden, einzelne oder Gruppen von Personen wegen ihrer Rassenzugehörigkeit zu beleidigen und die deshalb als rassistisch angesehen werden könnten. Behauptungen, Rassismus würde der Anthroposophie inhärent sein, oder Steiner hätte zu den Wegbereitern des Holocaust gehört, entbehren jeglicher Grundlage. Das anthroposophische Menschenbild Rudolf Steiners steht auf der Grundlage der Gleichwertigkeit aller menschlichen Individualitäten und nicht auf einer vermeintlichen Überlegenheit der einen Rasse gegenüber einer anderen. Nichtsdestotrotz enthält das Gesamtwerk Rudolf Steiners Aussagen, die nach heutigem Maßstab einen diskriminierenden Charakter haben oder als diskriminierend erlebt werden könnten." (Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland, Nr.1/1998, S.70 f.) Nun gilt dabei besonders zu beachten, daß es sich bei einem Gesamtwerk von ca. 89.000 Seiten Umfang um 12 (in Worten: zwölf!) Aussagen handelt, denen ein stark diskriminierender Charakter zugesprochen wurde, und 50 weitere, die als leicht diskriminierend bezeichnet wurden oder mißverständlich formuliert sind. Auf eine Besonderheit in der immer wieder öffentlich angeheizten Rassismusdebatte sei hier noch hingewiesen: Wenn Grandts und andere meinen, Aussagen Steiners "enthüllen" zu müssen oder Jochen Kummer sich in der Welt am Sonntag zu den Formulierungen versteigt: "Die verschwiegene Seite Rudolf Steiners" (23.02.1997), oder: "Schreckliche Zitate Rudolf Steiners nicht verschweigen" (16.03.1997), dann sollten sich diese großartigen Enthüller doch einmal fragen, woher sie eigentlich ihre "schrecklichen Zitate" haben. Es wird hier anscheinend gerne ausgeblendet, daß sich die Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung dem Editionsauftrag Marie Steiners verpflichtet fühlt, das gesamte Werk Rudolf Steiners zu veröffentlichen, und zwar inklusive aller internen Vorträge, esoterischen Stunden und Konferenzen, was bisher in einem Umfang von etwa 300 Bänden geschehen ist. Um die Fülle von Darstellungen und Anregungen Steiners für Kunst, Wissenschaft, Religion und soziales Leben in der eigenen Arbeit fruchtbar zu machen, arbeiten sich Menschen in jahre- und jahrzehntelangem Studium in dieses Werk ein, was dann auch seinen Niederschlag in einer umfassenden Sekundärliteratur findet. Und just da bedienen sich die Aufklärer und Enthüller. So auch bei den Flensburger Heften, z.B. im Band 41 "Anthroposophie und Rassismus", der – ganz im Sinne Steiners – eine Schrift gegen rassistische und nationalistische Auswüchse im gesellschaftlichen Leben ist. Daß es eines jahrelangen Studiums bedurfte, um im Gesamtwerk Steiners überhaupt auf marginale "schreckliche Zitate" zu stoßen, fällt in der völlig verkürzten öffentlichen Debatte vollkommen unter den Tisch. Ebenso wird nicht gesehen, daß auch solche Aussagen, die heute kritikwürdig erscheinen, zuerst von Anthroposophen publiziert und kontrovers diskutiert worden sind. Auch wenn die selbsternannten Enthüller meist nur voneinander abschreiben, letztendlich sind ihre "schrecklichen Zitate" aus anthroposophischen Publikationen gepickt. Obwohl es kaum Verständigungsmöglichkeiten zu geben scheint und der gute Wille der Grandts zu einer sachgemäßen Auseinandersetzung nicht gerade überdeutlich zu erkennen ist, haben wir Guido und Michael Grandt Gelegenheit gegeben, sich in diesem Flensburger Heft zu äußern. Es war uns ein Versuch wert, ob ein solches Angebot nicht zumindest dazu beitragen kann, etwas von der Schärfe der Auseinandersetzung herauszunehmen. In Ägypten ist es Sitte, daß bei verfeindeten Familien oder Dörfern der Oberste des einen in das Dorf seiner Feinde reist, um mit dem anderen Dorfoberhaupt Brot und Salz zu essen, wodurch der Wille, die Feindschaft zu überwinden, besiegelt wird. Mit dem gleichen Impuls reiste der damalige ägyptische Präsident Sadat 1977 nach Jerusalem und sprach in der Knesset. Auch wenn eine solche Geste in unseren Regionen keine allgemeine Sitte ist: Meist ist es weiser, mit seinem Gegner offen zu sprechen, als sich in seiner eigenen Burg zu verschanzen oder in endlose Waffengänge zu verstricken. Das ist leichter gesagt als getan. Aber bei aller berechtigten Kritik an den Büchern der Grandts hätte vielleicht auch manche überspannte Reaktion aus den anthroposophischen Reihen – die es sicher auch gab – vermieden werden können, wenn man von vornherein die Visiere etwas offener getragen oder sich zur Diskussion an einen Tisch gesetzt hätte – von einer offeneren und unvoreingenommenen Herangehensweise der Grandts ganz zu schweigen. Das Interview mit Guido und Michael Grandt ist schriftlich entstanden, so daß die Möglichkeit zu erwidern von vornherein entfiel. Da wir das anstehende Thema nur in diesem Band behandeln, also auch keine Repliken bringen können, und aus Gründen der Fairneß haben wir darauf verzichtet, die Antworten der beiden im nachhinein zu kommentieren. Bis auf geringfügige stilistische Änderungen bleiben ihre Antworten in der Fassung, wie sie von ihnen niedergeschrieben worden sind, was auch für ihre biographischen Angaben gilt.
2. Auf die von Arfst Wagner und Wolfgang Weirauch, beide Redaktion FH, schriftlich vorgelegten Fragen über Rassismus und Rudolf Steiners angebliche O.T.O.-Mitgliedschaft antworten Guido und Michael Grandt in dem Interview "Ein Gesprächsversuch". Lesen Sie folgenden Auszug:
Zum Vorwurf rassistischer Äußerungen Steiners Wolfgang Weirauch: Ist es Ihnen eigentlich bewußt, daß Steiners "Wurzelrassenlehre", wie Sie sie nennen, weder etwas mit Rassen noch mit Rassismus zu tun hat und daß damit lediglich entwicklungsgeschichtliche Zeiträume der Menschheit gemeint sind? Michael Grandt: Das stimmt meines Erachtens eben nicht. Wenn Sie ernsthaft behaupten, Steiners Rassebegriffe würden nur "Entwicklungszeiträume" bezeichnen und es wäre deshalb kein biologischer Rassismus, dann haben Sie Steiners "Aus der Akasha-Chronik" nicht gelesen. Unter "Rassismus" versteht man im allgemeinen die systematische und systematisierte Unterscheidung zwischen angeblich "höherwertigen" und "minderwertigen" Rassen mit entsprechender Behandlung der so eingeteilten Menschen. Denken Sie an Steiners Aussagen über die "Neger", die durchweg negativ sind. Denken Sie an seine Aussagen über die "Blonden". Sie selbst, Herr Weirauch, haben doch folgendes geschrieben: "Wenn man derartiges heutzutage liest [Sie nehmen bezug auf Steiners Aussage zu "blonden Rassen"], so ist man berechtigt empört, und es erhebt sich die Frage, ob man eine derartige Darstellungs- und Denkweise als Rassismus – der die eine Rasse höher als die andere bewertet – bezeichnen muß. Im Grunde muß man diese Frage bejahen." (Flensburger Hefte 41) Oder wenn man Steiners Aussagen über die Franzosen ansieht, die seiner Meinung nach als Rasse "wieder zurückgebracht" werden. Sie, Herr Weirauch, haben das wiederum erkannt und es als sehr "bedenklich" empfunden, wenn Steiner in bezug auf das französische Volk von "Rasse" spricht, und kommen doch selbst zu dem Fazit: "Wer Rudolf Steiner aufgrund dieser oder anderer Stellen als Rassisten bezeichnete, ich wüßte nicht, wie ich ihm widersprechen könnte." (FH 41) Wieso tun Sie das dann jetzt? W.W.: Ist es Ihnen bewußt, daß sich Rudolf Steiners Äußerungen über die Rassen fast ausschließlich auf vorchristliche Zeiten beziehen und er des öfteren geäußert hat, daß die Zeit der Rassen nunmehr endgültig vorbei sei, und er sich dezidiert gegen den Antisemitismus ausgesprochen hat? M. Grandt: Bitte "verniedlichen" Sie dieses ernste Thema doch nicht auf diese Weise. Steiners Aussagen zu Malaien, "Negern", Chinesen, Amerikanern, Franzosen, den Blonden beziehen sich meist nicht auf die vorchristliche Zeit. Andererseits wären seine Ausführungen auch schlimm, wenn sie sich nur auf die vorchristliche Zeit beziehen würden, insofern ist dies kein Argument, um ihn gegen die Vorwürfe zu schützen. Auch Steiners Versuche zur Erklärung der Entstehung der Hautfarben beziehen sich "eindeutig auf die Gegenwart" (FH 41), wie Sie selbst wieder richtig interpretieren, denn Steiner fordert seine Zuhörer auf, sich die Hautfarben der verschiedenen Leiber "anzusehen"! Steiners Zitat, das Judentum habe sich "ausgelebt" und "keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens" (das ich oben schon anführte), ist den jüdischen Menschen nicht gerade wohlgesonnen, meinen Sie nicht auch?
Rudolf Steiner war kein Rassist W.W.: Es ist unbestritten, daß Rudolf Steiner einige wenige Aussagen – ca. 10 bis 20 – gemacht hat, die eindeutig als rassistisch bezeichnet werden müssen und die sich teilweise auch auf die heutige Zeit beziehen. Wir haben diese in unserem Flensburger Heft 41, "Anthroposophie und Rassismus", dargestellt, und Sie zitieren sie in Ihren Büchern. In dem gleichen Flensburger Heft wird aber auch dargestellt, daß diese Äußerungen ziemlich isoliert im Raum stehen und man sie in den Gesamtzusammenhang stellen muß; und wir kommen zu dem eindeutigen Schluß – aufgrund aller anderen Äußerungen Steiners –, daß Rudolf Steiner kein Rassist war. Warum zitieren Sie nicht auch diese Darstellungen von uns und Rudolf Steiner, speziell auch diejenigen in dem Artikel "Die zerstörerischen Kräfte des Nationalismus", durch den deutlich wird, mit welcher Vehemenz Rudolf Steiner gegen jegliche Form des Nationalismus Position bezogen hat? Ist das wissenschaftliches Arbeiten bzw. ausgewogener Journalismus? M. Grandt: Es waren übrigens mehr beanstandete Stellen. Wenn Steiner einerseits eindeutig rassistische Aussagen macht, andererseits aber angeblich "über" den Rassen steht, wie paßt das dann zusammen? Wir können in den Zitaten, die wir anführen, jedenfalls nicht erkennen, daß er kein Rassist ist. Wenn Sie das so sehen, dann dürfte dies weiterhin eine Last für Sie sein, die Ihnen vielleicht noch viel Kummer bereiten dürfte.
3. Über die Art des Journalismus, der nicht sauber recherchiert, äußert sich Stefan Leber, Dozent für Waldorfpädagogik, in dem Interview "'Aufklärer', 'Enthüller' und der Umgang mit der Anthroposophie":
Hunde interessieren sich nicht für Rosenduft Klaus-Dieter Neumann: Wie würden Sie die Art des Journalismus charakterisieren, der in diesen Machwerken zum Ausdruck kommt? Hat das Verquirrlen von Einzelfällen, Falschaussagen, Zitaten, scheinbaren Enthüllungen – z.B. von Aussagen Steiners, die schon längst mehrfach in der Gesamtausgabe und der anthroposophischen Literatur publiziert sind – und suggestiven Bezügen zu vollkommen anderen Zusammenhängen Methode? Stefan Leber: Sie fragen nach einer Charakteristik dieses Journalismus. Da fällt mir nur ein Bild ein: Wenn ich in der Nähe meines Hauses spazierengehe, gibt es dort auch andere Spaziergänger. Sie führen ihre Hunde aus. Während mein Blick auf Bäume, Vorgärten, die Blumen, die mir begegnenden Menschen fällt, bewegen sich unten die Hunde, schnüffelnd von Duftmarke zu Duftmarke und jeweils ihre eigene hinterlassend. Sie folgen einer Spur, sie riechen Urin und Kot; Rosenduft oder Veilchen interessieren sie nicht. Es besteht ein inniger Zusammenhang zwischen dem Erschnüffeln und der eigenen Ausscheidung. So wird hier Steiner verarbeitet. Die Grandts beispielsweise haben Steiner nach meiner Einschätzung nicht gelesen. Denn alle Literaturstellen, die ich bei ihnen fand, sind in den von ihnen zitierten – bzw. auch nicht zitierten – Gegnerschriften zu finden oder sind ihnen von fleißigen Sammlern zugespielt worden, wofür sie sich im "Schwarzbuch" ja mehrfach bedanken. Sie kamen also niemals dazu, einen von Steiner entwickelten Gedanken im Zusammenhang und seiner Bezogenheit aufzunehmen, falls sie dies überhaupt könnten. Es spricht alles dafür, daß andere Geister bereits Vorarbeit geleistet haben, Texte nach ihrem Vermögen aufbereitet und beleuchtet, d.h. geistig vorverdaut haben. Diesen Brei übernehmen sie offensichtlich an vielen Stellen und geben nun ihr Sekret hinzu. So findet sich die erstaunliche Tatsache, daß sie es verstehen, einen einzigen Absatz z.B. aus Steiners Buch "Aus der Akasha-Chronik" an vielen Stellen – ich erinnere über ein Dutzend – zu zitieren, d.h. zu verhackstücken und immer in einem neuen Zusammenhang so ihre immense Belesenheit zu dokumentieren. Vermutlich haben sie auch dieses Kapitel, das zum zitierten Absatz gehört, niemals im Ganzen zur Kenntnis genommen, geschweige denn das ganze Buch. Ihre "Leistung" besteht darin, viel Fremdleistung als Eigenleistung auszugeben, was ihnen ja auch von einschlägigen Autoren bei ihrem Satanismus-Buch vorgeworfen wurde. Solche Methodik charakterisiere ich als Schnüffel- und Exkrement-Journalismus. Ein Pendant zur Nekrophilie, die Erich Fromm als Degenerationsform der Seele charakterisiert. K.-D.N.: Kann man auf solche Konglomerate, in denen es ganz offenkundig nicht um sachliche Kritik und wahrheitsgemäße Gewichtung geht, überhaupt inhaltlich sinnvoll reagieren? S. Leber: Sie nennen das in Ihrer Frage "Konglomerat". Im Konglomerat habe ich immerhin einen gerundeten Kiesel in seiner Schönheit, hier finde ich allenfalls Brekzien, und zwar zerhacktes, zersplittertes Material, in eine nicht der Sphäre der Sachbezogenheit und der Wahrheit entstammende Kittmasse eingebettet. Menschliche und inhaltlich sinnvolle Auseinandersetzung ist auf diesem Weg nicht möglich. Wir haben es mit zwei Welten zu tun. Man kann sich in verschiedenen Reichen bewegen. [...]
Die Reinen und die Finsteren K.-D.N.: Durch Ausdrücke der Grandts wie "Waldorf Connection" oder "Das anthroposophische Imperium schlägt zurück" soll scheinbar suggeriert werden, die anthroposophische Bewegung sei eine dunkle Sekte. Auch dieser Vorwurf wird in letzter Zeit verstärkt erhoben, meist in der Absicht, den rechtlichen Anspruch auf staatliche Bezuschussung anthroposophischer Einrichtungen, insbesondere der Waldorfschulen, zu unterminieren. Haben sich für den Sektenvorwurf jemals haltbare und erhärtende Fakten ergeben? S. Leber: Den selbsternannten weltlichen Sektenbeauftragten, den Brüdern Grandt, kann man ein Inszenierungsgeschick und eine sinistre Phantasie nicht absprechen. Neulich fuhr ich an einer Pizza Connection vorbei; ich weiß nicht, ob das eine italienische Mafiazentrale in Sillenbuch ist. Im "Schwarzbuch" wurde ein verzweigtes Wirtschaftskonglomerat ansichtig gemacht. Jetzt hat es sich zu einem Imperium, einem Reich(!) entwickelt. Alle Achtung! Worte kosten nichts. Sicher ist diesen säkularen Sektenbeauftragten wie den kirchlichen eigen, darüber zu wachen, daß nicht alle vom Pfad der Tugend abweichen. Sekte ist das, was sich als Minderheitsmeinung aus dem Corpus der Kirche abspaltet, Sekte ist ein Kampfbegriff, der die Häresie zu bekämpfen vorgibt. Das machen nun die Grandts. Ihre erste Beschäftigung waren Teile der sektiererischen Jugendszene. Ihr Wahn besteht nun darin, die Anthroposophen, bei denen alles offenliegt – schon der Gebrauch der Worte okkult und esoterisch ist für die Grandts Beweis –, als abgeschlossene Geheimorganisation zu entlarven. Das geht dann nach dem Muster: Wir kommen als Journalisten zu euch und wollen jetzt bei euch untersuchen, was wir vermuten und gehört haben, und wenn ihr euch nicht sofort fügt, werden wir Beweismaterial gegen euch veröffentlichen. Wir arbeiten mit Rundfunksendern und Ministerien zusammen und sind Fachberater internationaler Organisationen, also ganz wichtige Leute. – Wird die aufdringliche Unverschämtheit den so Behandelten zu groß und wehren sie sich – dann sieht man ja schon daran, daß sie etwas zu verbergen haben –, gehen diese gegen falsche Behauptungen vor Gericht und verlieren die Grandts, so sieht man daran in ihren Augen einerseits die Macht des Imperiums, andererseits die Bestechlichkeit bzw. die dunklen Machenschaften bis in Gerichte und die höchsten Ebenen der Politik. Da dies nicht nur in einem Land so geht, sondern auch im Nachbarland, ist klar: Eine Weltverschwörungsgesellschaft ist gegen die Aufklärer und Enthüller tätig. Bei Besessenen, Getriebenen – genau dies werfen sie den Anthroposophen vor – ist Denken und Argumentieren immer recht einfach strukturiert. Sie, die Reinen – im von ihnen verachteten System früherer Zeiten nannte man das auch die Engel –, die anderen die Finsteren, Machenschaften spinnend, früher: Teufel. Fragt man nach Fakten, so stößt man auf Vorstellungsgewebe, Verdächtigungen, Projektionen, mit Hans Sachs: "Wahn, überall Wahn". K.-D.N.: Gibt es in der anthroposophischen Bewegung sektiererische Tendenzen, die man kritisieren könnte? S. Leber: Wie ja hier schon deutlich gemacht wurde, hat die Anthroposophie es mit Erkenntnisbemühungen zu tun. Die Anthroposophische Gesellschaft ist eine Erkenntnisgesellschaft. Es gibt bis heute keine Erkenntnisgemeinschaft, sei es eine Universität, eine akademische Gemeinschaft, die nicht immer auch Züge des Ausgrenzens und des Abschließens gegenüber abweichenden Anschauungen aufweist. Ich könnte das am Beispiel akademischer Einrichtungen aufzeigen. Davon ist die anthroposophische Bewegung nicht ausgenommen. Und Steiner litt darunter. Noch würde ich es als Verdienst dieser Bewegung ansehen, sie für die Offenheit bewahrt und diese Tendenzen immer wieder in ihre Grenzen verwiesen zu haben.
4. Über die verschlungenen Wege freimaurerischer Zusammenhänge, die verschiedenen O.T.O.-Gruppierungen, Aleister Crowley und Sexualmagie klärt Peter-R. König in einem Interview mit Wolfgang Weirauch auf. Lesen Sie daraus den folgenden Auszug:
Es gibt keinen Beleg für eine O.T.O.-Mitgliedschaft Steiners Wolfgang Weirauch: Wodurch und wann hat sich Ihre Meinung in bezug auf eine angebliche O.T.O.-Mitgliedschaft Steiners geändert? Peter-R. König: Ich war gar nie dieser Meinung. In meinen Büchern habe ich auch nie davon gesprochen, sondern mir ist diese Unüberlegtheit quasi unter dem Druck des Verärgertseins über die "journalistischen" Verdrehungen der Grandts herausgerutscht, ohne daß ich darüber nachgedacht hätte. Außerdem spräche ja das ohnehin für Rudolf Steiner, sofort wieder aus dem O.T.O. ausgetreten zu sein. Ich verstehe nicht, was die Brüder Grandt da für ein Aufsehen machen. Mir scheint, daß eher die Medienpräsenz als die Faktizität im Interesse der beiden steht. Sie geben ja auch zu, daß die Kontroversen, die sie auszulösen meinen, nichts weiter als ein "Werbetrick" sind; so auf der Frankfurter Buchmesse am 10.10.1998 verlautet. Da ist ihnen übrigens ein gewaltiger Freudscher Versprecher unterlaufen, als sie versuchten, ihr Werk "Waldorf Connection" als Diskussionsansatz "im Satanis..., äh Anthroposophie" zu verkaufen. Mittlerweile haben Steiners Nachlaßverwalter für mein Buch "Der Große Theodor-Reuß-Reader" vom Frühjahr 1997 erlaubt, die entsprechenden Reuß/Steiner-Dokumente zu faksimilieren. Ich danke den Nachlaßverwaltern dafür, diese Faksimiles nochmals in diesem Flensburger Heft abdrucken zu dürfen. Mein seit anderthalb Jahren mehrmals dazu veröffentlichter Artikel ("Rudolf Steiner – niemals Mitglied irgendeines O.T.O."; siehe den Abdruck in diesem Flensburger Heft, S.89 ff.) und dieses Interview dürften diese Dokumente ausreichend in den historischen Kontext stellen. Es ist auch bezeichnend, wie die Grandts mit dieser neuen Quellenlage umgegangen sind. Erst forderten sie mich mehrfach in ziemlich unhöflichen Briefen zur Bekanntgabe dieser Quelle auf. Nachdem ich mich aber mit dem Argument weigerte, sicherlich nicht die Recherchen von ihnen zu übernehmen, behaupten sie nun, eine solche Quellenlage existiere überhaupt nicht – wahrscheinlich im Glauben, wenigstens rhetorisch geschickt zu sein. W.W.: Es gibt also bis heute kein einziges Dokument, das beweisen würde, daß Steiner irgendwann Mitglied des O.T.O. gewesen wäre? P.-R. König: Richtig. Sollen die Grandts doch eines vorlegen! –Die Behauptung, Steiner sei O.T.O.-Mitglied, weil der Begriff "Order of Oriental Templars" im Briefkopf auf dem Reußschen 1907-Edikt an Steiner zu finden ist, entbehrt jeglicher Logik. Werden die Grandts automatisch Waldorfschüler, wenn sie einen Brief einer Waldorfschule erhalten, der im Briefkopf den Begriff "Waldorfschule" enthält? In meiner Eigenschaft als Oberhaupt einiger O.T.O.-Gruppen Europas könnte ich die Grandts auch flugs zu Führungsmitglieder der Loge "Baphomet" von Balingen ernennen. Gemäß ihrer eigenen Logik wären sie das dann auch definitiv, könnten keinen stichhaltigen Beleg dagegen anführen und gerieten nun selbst in den Geruch der ritualisierten Kinderschändung à la "Schwarzbuch Satanismus". Es würden sich dann sicherlich Boulevard-Journalisten finden, die durch unermüdliches Zitieren aller greifbaren O.T.O.-Erwähnungen ebenso unkritisch tagtäglich ihre Meinung kundtun, daß die Grandts auf komplizierte Art und Weise Propaganda für Aleister Crowley betrieben. Anschließend würde ich behaupten, jemand habe gedroht, meine Katze umzubringen, falls ich je wieder ein Wort "gegen die Grandts" richte und dieser Fall sei nun bei den örtlichen Ermittlungsbehörden anhängig, weshalb ich keine weiteren Details dazu geben könnte etc. etc.
"Ich wurde mit Nazi-Publikationen in einen Topf geworfen" W.W.: Im "Schwarzbuch Anthroposophie" werden Sie von den Grandts als Autor folgender Zeilen zitiert: »"Der Blavatsky-Schüler und Gründer der 'Internationalen Theosophischen Verbrüderung', Dr. Franz Hartmann (...) gehörte dem 'Orden der Alten und Echten Rosenkreuzer' (...) an", sagt Peter-R. König weiter, "während Dr. Rudolf Steiner in einer Zweigabteilung des Ordens, dem in 97 (= 33) Grade arbeitenden O.T.O (...) seine Einweihung hielt."« (S.121 f.) Was hat es mit diesem Zitat auf sich? P.-R. König: Die Brüder Grandt haben ein treffendes Beispiel ihrer Lesekunst geliefert und mein Zitat des antisemitischen Hetzers und Ludendorffianers S. Ipares, alias J. Paar, aus dessen paranoiden "Geheime Weltmächte" von 1936 als meinen eigenen Text wiedergegeben (siehe Ipares-Faksimile auf den folgenden 3 Seiten). Dabei habe ich Ipares als gut ersichtliche Hetzquelle in meinem Buch "Das O.T.O.-Phänomen" kenntlich gemacht. Ich hatte ja nie im Leben geahnt, meinen Büchern außer klaren Quellenangaben, Titeln, Untertiteln und ggfs. Kursivdruck bei Zitaten in Anführungs- und Schlußzeichen auch noch eine Lesebrille beigeben zu müssen. – Es gibt seit den 20er Jahren dermaßen viele Nazi-Publikationen, die behaupten, daß Steiner ein Sexualmagier oder Mitglied im O.T.O. gewesen sei und die weitere notorische Versatzstücke aus dem Arsenal der Judenhetze aufhäufen, daß ich mich verletzt fühlte, mit diesem Nazi-Blödsinn in den gleichen Topf geworfen worden zu sein. Unzumutbar empfand ich das lasche Verfahren der Grandts mit Nazi-Literatur besonders, weil meine Familie unter dem Nazi-Regime zu leiden hatte.
5. Auch der Satanologe Josef Dvorak weist in dem Interview "Eine Reise nach Wien – Bei den Quellen des O.T.O." die Behauptung einer Mitgliedschaft Steiners im O.T.O. zurück:
Kein Fehltritt Steiners in den O.T.O. Wolfgang Weirauch: Gibt es irgendeinen schriftlichen Beweis dafür, daß Rudolf Steiner Mitglied bzw. Großmeister des O.T.O. gewesen ist? Josef Dvorak: Keinen einzigen. W.W.: Sie schreiben aber in Ihrem Buch "Satanismus" (S.312) über Steiners angebliche O.T.O.-Mitgliedschaft. Auch wir haben diesen Fehler im Flensburger Heft 33 gemacht. Durch welche Falschaussagen haben Sie sich verleiten lassen? J. Dvorak: Tatsächlich finden sich in meinem 446 Seiten starken Buch auch zweieinhalb Seiten über Rudolf Steiner und den Ordo Templi Orientis. Der Abschnitt ist vom Lektor mit dem Titel "Rudolf Steiners Fehltritt" versehen worden. Alle Kapitelüberschriften wurden vom Verlag hinzugefügt. Ich hatte nur den reinen Text geliefert. Außer dem ersten Absatz mit der Behauptung: "Steiner leitete zwischen 1906 und 1914 den deutschen Ordenszweig M.M.A. (= Mysteria Mystica Aeterna) als Großmeister und 'Supremus Rex' (das ist der höchste, X° O.T.O.)", und den letzten fünf Zeilen, dreht sich alles um das von Heinrich Gösch 1921 in der Vossischen Zeitung wiedergegebene Rosenkreuzer-Ritual, das ich als I°-Ritual des O.T.O. bezeichnet habe. Diese Information erhielt ich von Karl R.H. Frick, dem Autor eines mehrbändigen Werkes über Geheimbünde, mit dem ich damals in telefonischem und brieflichem Kontakt stand. Da ich bei Frick schon einige Ungenauigkeiten gefunden hatte (so war von ihm das Erscheinungsdatum besagten Artikels falsch angegeben worden), zog ich auch noch die amerikanische und englische Literatur über Aleister Crowley zu Rate. Auch hier war von einer Mitgliedschaft Steiners im O.T.O. die Rede. Auf Gösch war ich bei meinen Forschungen über den Psychoanalytiker Otto Gross gestoßen, und ich charakterisierte ihn durch eine Beschreibung aus Richard Seewalds Autobiographie "Der Mann gegenüber", in der Gösch sehr schlecht wegkommt und mit Dämonen und dem Satan in Verbindung gebracht wird. Dadurch kamen Steiner und sein Rosenkreuzer-Ritual überhaupt in mein Satanismus-Buch. Daß Steiner Satanist gewesen sei oder Sexualriten bearbeitet hätte, ist von mir nie behauptet worden.
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