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FLENSBURGER HEFTE 61 Zurück Die Hintergründe von 666
Leseproben:
1. Über die Zahl 666, ihre spirituellen Hintergründe, das Wesen Sorath und dessen Beziehung zur schwarzen Magie schreibt Wolfgang Weirauch, Redaktion FH, in dem Einleitungsartikel "Sorath und die Zahl 666". Daraus ein Auszug:
666 – eine Zahl mit mysteriöser Bedeutung? Was steckt hinter dem Geheimnis dieser Zahl? Wohl kaum eine Zahl hat die Menschen so beschäftigt und zu den unterschiedlichsten Interpretationen veranlaßt wie die 666. Besonders zum jetzigen Jahrtausendende hin lenkte man zunehmend sein Augenmerk auf die "Zahl des Tieres und des Menschen", auf die der Apokalyptiker Johannes schon vor annähernd 2.000 Jahren hingewiesen hat. (siehe Apk. 13, 17 f.) Im Laufe der Zeit meinten manche, mit der Zahlenbedeutung des hebräischen Alef-Beths aus der 666 den Namen des Kaisers Nero entschlüsseln zu können: QSR.NRON (100 + 60 + 200 + 50 + 200 + 6 + 50 = 666). Andere wollten in diese Zahl sogar den Namen Hitlers hineininterpretieren, während sich der Schwarzmagier Aleister Crowley gleich selbst als das "Tier 666" bezeichnete. Seit Crowleys Zeiten gilt die besagte Zahl in den verschiedensten schwarzmagischen Kreisen als aussagekräftiges Zahlensymbol, und sie wird auch in anderen Zusammenhängen in total veräußerlichter und oberflächlicher Weise verwendet. Immer wieder sieht man sie auf Büchern, einschlägigen Magazinen und Platten- bzw. CD-Covers (z.B. bei Black Sabbath oder Aphrodite's Child). Verwoben mit dieser Zahl ist ein gewisser Nimbus: eine Kraft des Bösen, die in irgendeiner Weise mit der schwarzen Magie und dem Tierhaften im Menschen verbunden ist, sich aber zugleich mit dem Mantel des Geheimnisvollen umhüllt. Man ahnt etwas, kennt aber letztlich überhaupt nicht die Bedeutung von 666. Daraus resultieren auch die zahlreichen Fehlinterpretationen und Angstgefühle, die viele Menschen vor dem hegen, was im Umkreis dieser Zahl lebt. Diese undefinierbare Furcht wird oft auch auf die alltäglichsten Erscheinungen ausgedehnt. So traf es Ronald Reagan hart, als er in Los Angeles in einer Straße mit der Hausnummer 666 zu wohnen kam, und seine Frau Nancy hatte nichts Eiligeres zu tun, als über die Stadtverwaltung eine Änderung der Nummer zu veranlassen. – Unter den neuen europäischen Aktienindizes gibt es einen, der die größte Anzahl börsennotierter Werte beinhaltet, nämlich 666. – Als sich der erste gesamtdeutsche Bundestag zusammensetzte, so schrieb es damals die FAZ, erwartete man 666 Bundestagsabgeordnete; aber es wurden dann letztlich doch nur 662. – Seit einigen Jahren finden wir auf den Waren den sogenannten Strichcode: Jede Zahl ist in ein verschieden breites Pärchen von Strichen umgesetzt. Drei Paar gleichdicke parallele Linien gehen meist in ihrer Länge über das restliche Strichcodefeld hinaus. Hinter diesen Doppellinien verbirgt sich die 6, so daß wir also auf jedem Warencode durch die verlängerten Linien die 666 wiederfinden. – Last but not least: Wenn man eine Frage an den Direktservice der Postbank Hamburg hat, so endet die Telefonnummer mit einer 666. Wer nun meint, er sei damit gleich in der Werkstatt des Bösen gelandet oder auch nur eines der aufgezählten Beispiele aus dem alltäglichen Leben hätte irgendeine Bedeutung, außer daß es der pure Zufall ist, der befindet sich auf dem Holzweg. Sämtliche Beispiele haben nichts mit dem wirklichen Wesen 666 zu tun, und wer doch etwas in dieser Richtung in solche Alltäglichkeiten hineininterpretiert, leistet der Verwirrung lediglich Vorschub. Von der Zahl 666, die im alltäglichen zwischenmenschlichen Zahlenverkehr auftaucht, geht nicht die geringste schädliche Wirkung aus. Was ist nun der wirkliche Hintergrund der Zahl 666? Folgt man den Äußerungen Steiners, die leider nur sehr spärlich sind, wird der Blick auf ein geheimnisvolles Wesen gelenkt, das den Namen Sorath trägt. Dieses Wesen ist der explizite Antipode zu Christus. Es entfaltet seine Wirksamkeit in gewissen Rhythmen, während der es den Versuch unternimmt, die Macht über die Erdenentwicklung zu erlangen und im Zuge dessen die Zukunft von Erde und Mensch gewaltig und entscheidend zu verändern. Seine Aktivitäten entfaltet Sorath auf höchst unterschiedliche Art. Im Fokus seines Wirkens zielt er aber darauf hin, die Wirksamkeit des Christus auf der Erde und im Menschen zu bekämpfen, indem er den Versuch unternimmt, die Menschen vom Christusgeschehen abzulenken oder sie direkt zum Mißbrauch antichristlicher spiritueller Kräfte zu bewegen. Beim Mißbrauch spiritueller Kräfte handelt es sich um schwarze Magie, die schon mit der Lüge beginnt.
2. Über die Ausbreitung des Islam, die Rettung der antiken Geistesschätze durch Übersetzung ins Arabische in der Zeit vom 5. bis zum 10. Jahrhundert sowie über die Akademie von Gondischapur und die Beziehung des Wesens Sorath (666) zu ihr schreibt Wolfgang Weirauch in dem Artikel "Die Akademie von Gondischapur":
Die Rettung der antiken Geistesschätze Eine Order von der Frankfurter Börse zum Kauf von Wertpapieren an der Wall Street in New York und die Bestätigung des Kaufs zurück nach Frankfurt dauert nur 22 Sekunden. Global sind die Menschen online oder über Satelliten miteinander verbunden, kommunizieren, treiben Handel, produzieren, planen und verschieben Daten aller Art. In einer solchen Zeit ist es schwer, sich vorzustellen, wie mühsam es einmal war, ein handgeschriebenes Buch eines Landes für einen fremden Kulturraum mit anderer Sprache zugänglich zu machen. In dem Zeitraum, von dem wir sprechen, gab es noch keine Buchdruckkunst und keine Wörterbücher, die kulturellen Verschiedenheiten der Völker waren wesentlich größer als heute, und die Kommunikationsmittel, Logistik, Infrastruktur und die Verkehrsmittel selbst waren mehr als bescheiden. Trotzdem wurden große Teile des hellenistischen Geistesguts – aus der Philosophie, Medizin und Naturwissenschaft – mit äußerster Akribie in andere Sprachen übersetzt. Allerdings begannen die Übersetzungen nicht erst mit dem Abbasidenreich. Schon in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts übersetzten Syrisch sprechende nestorianische Christen antike Werke vom Griechischen ins Syrische und Mittelpersische. Das Hauptaugenmerk galt dabei vor allem den Werken des Aristoteles. Verstärkt wurden die Übersetzungsarbeiten im 6. und 7. Jahrhundert in Gondischapur, denn die Akademie von Gondischapur war zu dieser Zeit wichtigstes naturwissenschaftliches Zentrum und blieb es auch noch nach der Islamisierung im Jahre 641 für einige Zeit. Unter islamischer Herrschaft verstärkte sich die Übersetzungstätigkeit. In einer ersten Phase bediente man sich der bereits im Syrischen vorliegenden Quellen und übersetzte sie ins Arabische. Erst später übersetzte man direkt vom Griechischen ins Arabische. Diese erste Übersetzungsphase ist durch wörtliches Übersetzen geprägt, eine mit Mängeln behaftete Methode. Eigentlich bedarf es für eine exakte Übersetzung der Kenntnisse beider Sprachen, und zusätzlich muß der Übersetzer noch den Sinn des Textes erfassen können. Aber diese Fähigkeiten hatte man damals nicht in dem nötigen Maß. Das wurde in der zweiten Übersetzungsphase durch Hunain ibn Ishaq (801–873), einen christlichen Araber, anders. Er revolutionierte das Übersetzungswesen, indem er nicht mehr wörtlich übersetzte, sondern den Sinn des ganzen Satzes erfassen konnte. Während dessen Jugendzeit hatte Kalif al-Ma'mun in Anlehnung an die Akademie von Gondischapur in Bagdad das Bait al-hikma, das Haus der Weisheit, gegründet. Das Bait al-hikma wurde zu einem Forschungsinstitut, Lehrinstitut und zur Stätte für unzählige Übersetzungsarbeiten. Das Multitalent Hunain ibn Ishaq wurde später unter al-Mutawakkil (847–861) sowohl zum Leibarzt des Kalifen befördert als auch Leiter des Bait al-hikma. Seinem Fleiß, seiner sprachlichen Meisterschaft und seiner Akribie, auf zahlreichen Reisen originäre Quellen für sein Übersetzungsbüro zu sammeln, ist es zu verdanken, daß viele antike Quellen nicht verlorengegangen sind. Angeregt durch die Übersetzungen aus der griechischen Philosophie entwickelte sich im 9. Jahrhundert die arabische Philosophie. Der erste arabische Philosoph, al-Kindi (801–866), glaubte, daß die Inhalte des Korans in keinem Widerspruch zur griechischen Philosophie ständen. Mit al-Farabi, der Bagdad 942 verläßt, kam die Philosophie in Bagdad zum Ende, und ihr Schwerpunkt verlagerte sich mit Ibn Sina (lat. Avicenna, 980–1037) und Ibn Rushd (lat. Averroes, 1126–1198) nach Spanien und Marokko. Im 10. Jahrhundert war in der arabischen Welt fast das komplette Werk des Aristoteles in Übersetzung zugänglich, ferner einige Dialoge Platos sowie Schriften von Johannes Philoponos, einem der letzten großen Vertreter der Schule von Alexandria vor der arabischen Eroberung. Außerdem lagen zahlreiche Werke der Stoiker und der Neupythagoreer sowie gnostische Schriften vor. – Aus der Medizin übersetzte man vor allem die Werke von Hippokrates, Galen und Dioskurides, im Bereich der Naturwissenschaften Werke von Euklid, Archimedes und Ptolemäos. Im Arabischen lagen mathematische, astronomische und geographische Schriften vor, Werke aus der Mechanik, Astrologie, Alchimie und Traumdeutung, kurz: fast alle bis dahin entwickelten Geistes- und Naturwissenschaften.
Der Eingriff Soraths im Jahre 666 Selbst wenn man einigermaßen ermessen kann, welche Geistesschätze bis zum 10. Jahrhundert in Bagdad vorlagen, selbst wenn man ahnt, welche geistige Potenz in einigen Jahrhunderten in Gondischapur, Bagdad und anderen Städten für Forschung, Lehre und Übersetzung aufgebracht worden ist, so ist die Dimension, geistige Tiefe und Kraft sowie die Auswirkung auf die damalige Gesellschaft aus heutiger Perspektive doch wohl nur schwerlich in ihrem ganzen Umfang zu erfassen. Aber vielleicht kann man trotzdem ein wenig die geistige Dichte spüren, die damals im irakisch-iranischen Raum des arabischen Reichs geherrscht haben muß. Diese geistige Intensität war ein Phänomen von wenigen Jahrhunderten, das sich örtlich annähernd im Raum der Akademie von Gondischapur zugetragen hat, zeitlich aber weitgehend nach dem von Steiner geschilderten Ereignis im Jahre 666. Ob und wie beides – das Einwirken Soraths im Jahre 666 und das Aufblühen von Geistes- und Naturwissenschaften in den Jahrhunderten danach – wirklich zusammenhängt, sollte man nur mit größter Vorsicht und Sorgfalt zu beurteilen versuchen. Was hat es nun mit dem Gondischapur-Ereignis auf sich? Die südwestpersische Stadt Gondischapur wurde von dem Sassanidenkönig Schapur I. (241–272) gegründet. Sie entwickelte sich durch die Akademie – mit Schwerpunkt einer medizinischen Hochschule und einem angegliederten Krankenhaus – neben Nisibis zum zweiten wissenschaftlichen Zentrum des Persischen Reichs. Seit 555 lasen die Ärzte der medizinischen Fakultät dort die Schriften Galens auf syrisch. Sergius von Resch Aina (†536) hatte sie in Alexandria auf griechisch studiert und später in seine syrische Muttersprache übersetzt. Herausragend und kennzeichnend für die medizinische Fakultät der Akademie von Gondischapur war das Zusammenspiel von Theorie und Praxis: einerseits die Lehre, andererseits die praktische Anschauung und Anwendung im Krankenhaus. Die Hochschullehrer waren nestorianische Christen, auch nach der Islamisierung. Besonders zu nennen ist hier die Familie Bahtischu, die das Amt des Direktors der medizinischen Akademie in Gondischapur in Erbfolge innehatte, die dort von der sassanidischen Zeit bis ins 11. Jahrhundert wirkte und von der einige Familienmitglieder als Leibärzte der Kalifen in Bagdad tätig waren. Auf jeden Fall kann man nicht entfernt davon sprechen, daß die Moslems den Akademiebetrieb der christlichen Universitätslehrer behindert hätten, ganz im Gegenteil sogar. [...] Wenn geistige Wesen bestimmte Ziele verfolgen, planen sie langfristig. Das gilt sowohl für die sogenannten guten geistigen Wesen wie auch für die Widersachermächte. Für einen gewissen Abschnitt der Erden- und Menschheitsgeschichte kann man eine Art geistiges Duell im Kampf um die Menschheit ausmachen: die lange Vorbereitung des Sonnenwesens Christus, von der Sonne herabzusteigen und für drei Jahre in einem Menschen zu leben, und die wahrscheinlich zeitlich kürzer geplante Einwirkung des Sonnendämons Sorath für das Jahr 666 nach Christus. Hätte Sorath im Jahre 666 seine Absichten verwirklicht, wären die Menschen dadurch korrumpiert und manipuliert und damit die gesamte Erdenentwicklung in eine andere Richtung gedrängt worden. Wie einem Kind in seiner persönlichen Entwicklung auch nur das entgegengebracht werden kann, was es seinem Alter entsprechend verkraften kann, so ist es auch mit der Menschheit. Überschüttet man ein Kind mit Lernstoffen oder setzt man es Ereignissen aus, die es nicht verstehen kann, wird man seine Seele schädigen. Ähnlich ist es auch mit der Menschheit. Stellen Sie sich vor, Sie hätten den Bewohnern Japans vor 2.000 Jahren erzählt, daß man einstmals mit zwei Bomben zwei ganze Städte ihrer Insel auslöschen würde. Oder Sie hätten den Einwohnern Palästinas zur Zeitenwende geschildert, daß es in 2.000 Jahren Maschinen geben werde, die am menschlichen Körper operieren. Oder Sie hätten den Ureinwohnern Nordamerikas zur selben Zeit dargestellt, daß es einstmals Maschinen geben werde, mit denen die Menschen verschiedener Kontinente miteinander in Sekundenschnelle kommunizieren könnten. Was wäre passiert? Wahrscheinlich hätte man die Menschen in tiefste Verzweiflung und Furcht gestürzt, vielleicht hätten diese Utopien sie auch nur fasziniert. Aber eines ist klar: Sie wären für die Erkenntnis der jeweiligen Zusammenhänge nicht reif gewesen, denn sie hätten aufgrund ihrer Bewußtseinsentwicklung und ihrer Erkenntnisse von der Welt keinerlei Möglichkeit gehabt, die geschilderten technischen Errungenschaften zu durchschauen. Etwas Ähnliches wäre geschehen, wenn Sorath mit seinen Absichten durchgedrungen wäre. Sein Ziel war es, den Menschen in kurzer Zeit ein ungeheures Wissen zu vermitteln, und zwar alles das, was die Menschheit bis zur Mitte des Bewußtseinsseelenzeitalters – das ist das Jahr 2493 – an Wissen erringen wird. Natürlich darf man sich das nicht so schematisch und primitiv vorstellen, als hätte Sorath vorgehabt, die Menschen zu lehren, wie man ein Automobil baue. Aber er hätte einzelne Menschen zum Gefäß seiner Absichten gemacht und ihnen Wissensschätze eingegeben, die die Menschen zu Genies gemacht hätten. Ohne eigene geistige Anstrengung und ohne die dazu nötige moralische Reife wären die Menschen mit einem Wissen begabt worden, das sie selbst heute – fast 1.1/2 Jahrtausende später – noch nicht besitzen. Steiner sagt dazu folgendes: "Also Maschinen und so weiter würden die Menschen nicht gemacht haben, würden nicht experimentiert haben, nicht den Schleppgang gegangen sein, aber mit genialen Kräften würden sie alles vorher geahnt haben und vieles auch gemacht haben. Dieses Jahr 666 war bestimmt, die Menschheit geradezu zu überschwemmen mit einem Erkennen und mit einer Kultur, die von den der Menschheit ureigenen Göttern eben erst im 3. Jahrtausend der Menschheit zugedacht ist. Es ist nicht auszudenken, braucht auch nicht ausgedacht zu werden, in welche Situation die sogenannte gebildete Welt gekommen wäre, wenn sie in solcher Weise mit diesem sechshundertsechsundsechziger Wissen überschwemmt worden wäre. Die Menschen würden in ihrer mangelnden Selbstzucht verkommen sein." (GA 184/1968/11.10.1918/S.269 f.)
3. Über die Entwicklung des Gedankenlebens von Plato und Aristoteles über die arabischen Philosophen bis hin zur Anthroposophie schreibt Frank Linde, Dozent, in dem Artikel "Michael und die Entwicklung der Intelligenz". Daraus der folgende Auszug:
Das alte Michaelzeitalter und die Stimmung im Orient und am Hof Harun ar-Raschids Andererseits enthielten besonders die naturwissenschaftlichen Anschauungen des Aristoteles noch viele Elemente der alten Mysterienweisheit. (vgl. GA 232/bes. 14. u. 15.12.1923) Und es waren vor allem die mehr naturwissenschaftlichen Schriften, die durch die Taten Alexanders des Großen im Orient Verbreitung fanden. Durch Alexander, den Steiner als einen "Missionar des Michael, als ein Werkzeug des Michael" bezeichnete und der demnach noch ein deutliches Bewußtsein davon hatte, "daß ihm seine Gedanken auf dem Michaels-Wege kamen" (GA 237/1975/28.07.1924/S.109), war vor allem eine "rationelle, gesunde, wissenschaftliche Mystik" nach Asien gekommen. Dort sahen damals vor allem die mit philosophischen Anschauungen lebenden Menschen überall in der Welt kosmische Intelligenz ausgebreitet. Man betrachtete die Gedanken nicht als eigene Inhalte, sondern als den Menschen durch die Michaelmacht geoffenbarte Gedanken, auch wenn man, wie Steiner bemerkt, in jener heidnischen Zeit dieses Wesen noch anders bezeichnet hatte. "In Asien drüben sagte man nicht als Mensch: Ich denke mir etwas aus, ich bin ein intelligentes Wesen –, sondern man sagte sich: Alles, was gedacht wird, denken Götter, denkt vor allen Dingen der einige Gott, der ja schon im Aristotelismus eine Rolle spielte. Das, was die einzelne menschliche Intelligenz ist, das ist ein Tropfen aus der All-Intelligenz und offenbart sich herein in das Wesen des einzelnen, so daß der einzelne sich fühlte, ich möchte sagen, mit seinem Kopf und mit seinem Herzen, wie drinnensteckend in der All-Intelligenz. Das war die Stimmung. Diese Stimmung herrschte auch am Hof Harun al Raschids. Im 8. und 9. nachchristlichen Jahrhundert herrschte sie noch." (GA 240/1977/14.08.1924/S.220 f.) Aus dieser Formulierung geht bereits hervor, daß die Zeit des Harun ar-Raschid (Kalif von 786–809) noch unter dem Nachklang des alten Michaelzeitalters stand. Michael beendete seine Herrschaft etwa 200 v.Chr. Es ereignete sich das Mysterium von Golgatha. Und vom geistigen Sonnenbereich aus sah Michael, wie die kosmische Intelligenz auf die Erde herniederstieg. Im 8. und 9. Jahrhundert war sie auf Erden angelangt, also in jener Zeit, in der das geistige Leben am Hof Harun ar-Raschids blühte. Jetzt begann sich auf Erden das menschliche Eigendenken zu entwickeln. Es stand diese Zeit aber auch unter dem Einfluß dessen, was von dem Eingreifen des Sonnendämons Sorath im Jahre 666 n.Chr. ausgegangen war. In der Akademie von Gondischapur hatte der Aristotelismus eine Umgestaltung erfahren. Diese Zusammenhänge sind ebenso wie das Fortwirken des sogenannten "Arabismus" in den voranstehenden Artikeln dieses Flensburger Heftes ausführlich dargestellt worden. (Siehe auch Flensburger Hefte 60, S.66 ff.) Durch den Impuls von Gondischapur war aber für die Folgezeit die Möglichkeit gegeben, das aufkommende Eigendenken in einen besonderen Dienst zu stellen. Dieses Eigendenken entwickelte sich zunächst unabhängig von Michael. Seine Herrschaft war noch nicht gekommen, und so gingen von ihm keine Impulse für die Gedankenentwicklung aus. "Dieses, was wie ein tiefes Geheimnis in der Menschheitsentwickelung der Erde waltete, wußte man in einzelnen wenigen orientalischen Mysterien. Und so konnten in diesen einzelnen wenigen orientalischen Mysterien von grundspirituell veranlagten und ausgebildeten Menschen einzelne Schüler eingeweiht werden in dieses große Geheimnis. Und durch eine Fügung von der Art, wie sie nur schwer verständlich sind für den gewöhnlichen Erdenverstand, kam es eben, daß von diesem Geheimnis, das einigen orientalischen Mysterien gut bekannt war, jener Herrscherhof berührt wurde, von dem ich [...] gesprochen habe. Gerade im 8. und im Beginne des 9. Jahrhunderts waltete in Asien dieser Herrscherhof unter der Herrschaft des Harun al Raschid. Harun al Raschid war hervorgegangen aus der Kultur des Arabismus, aus der mohammedanisch angewehten Kultur. Zu seinen eingeweihten oder wenigstens bis zu einem gewissen Grade wissenden Ratgebern war dasjenige Geheimnis gedrungen, von dem ich eben gesprochen habe. Gerade weil von diesem Geheimnis berührt war der Bagdader Hof unter der Herrschaft des Harun al Raschid, deshalb war dieser Hof ein so glänzender. Alles, was an Weistümern, an Kunst, was an tiefer Religiosität im Oriente vorhanden war, konzentrierte sich – allerdings unter mohammedanischer Färbung – an dem Hofe des Harun al Raschid." (ebd./19.07.1924/S.170 f.) Harun ar-Raschid vereinigte Persönlichkeiten um sich, die noch von den großen Traditionen der Mysterien im Orient wußten. Insbesondere war hier noch – "aus einer gewissen Einsicht heraus – der Blick für die kosmische Intelligenz, also für die alte michaelische Verwaltung" geblieben. (GA 237/1975/08.08.1924/S.163) Es kam aber ein anderer Einfluß hinzu: "In der weithin glänzenden Versammlung von Weisen an diesem Hofe war eine mehr oder weniger bewußte Empfindung davon vorhanden: die Intelligenz der Erde, die vom Himmel auf die Erde heruntergestiegen war, muß gestellt werden in den Dienst mohammedanischer Geistesart!" (GA 240/1977/19.07.1924//S.171) Vieles floß am Hof Harun ar-Raschids zusammen, und Ausführungen wie diese zeigen, wie schwierig es ist, hier zu einem eindeutigen Urteil zu kommen. Denn wie auch an anderen Stellen zu diesem Thema ist Rudolf Steiner in seiner Wortwahl nicht präzise. Der Ausdruck "mohammedanische Geistesart" läßt nicht genau erkennen, was wirklich gemeint ist, der religiöse oder der wissenschaftliche Aspekt. Von Mohammed wurde eine Religion begründet – die man allerdings nicht mohammedanisch, sondern islamisch nennen sollte, denn im Mittelpunkt des Glaubens der Muslime steht Gott, nicht sein Gesandter Mohammed –, dagegen war die "Geistesart" am Hof Harun ar-Raschids von dem Erbe der griechischen Philosophie und Wissenschaft geprägt, in die durch den Einfluß des Sorath der Impuls von Gondischapur eingedrungen war – und Steiner erwähnt in diesem Vortrag ausdrücklich die wissenschaftlichen Disziplinen, nicht die religiösen. Aus allem, was zu dieser Thematik insgesamt vorliegt, geht meines Erachtens unzweifelhaft hervor, daß Steiners Formulierung auf die "fremden Wissenschaften" der Griechen zielt, jene rationalen Wissenschaften, die von den Muslimen des Hochislam selbst als "gottlose Wissenschaften" bezeichnet und vom Curriculum des formalisierten Lernens im Islam ausgeschlossen wurden. (Vgl. Flensburger Hefte 60, S.98–104) Steiner verfolgt den Weg der kosmischen Intelligenz, es geht um die Entwicklung des Gedankenlebens, das durch den Impuls von Gondischapur eine Richtung angenommen hatte, die nichts mehr mit dem Christentum zu tun hatte.
4. Über die Lüge im Zwischenmenschlichen, im politischen Tagesgeschäft und vor allem die okkulten Wirkungen der Lüge und ihre Beziehungen zur schwarzen Magie schreibt Wolfgang Weirauch, Redaktion FH, in dem Artikel "Lügen werfen lange Schatten". Hier der Anfang des Beitrags:
Es gibt Augenblicke im Leben, die man nie vergißt. Ich erinnere mich noch ganz genau an die spektakuläre "Ehrenwort-Pressekonferenz" des ehemaligen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, als dieser zweimal mit Verve "Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort" verlauten ließ und dabei einmal kurz die Augen niederschlug. Als ich das sah, wußte ich intuitiv sofort: Der lügt! Daß Barschel gelogen hatte, wurde zwar schnell offenkundig, aber daß die minimale Körpergeste des Augenniederschlagens seine Lüge verriet, wurde mir erst elf Jahre später bestätigt. In der diesjährigen Mai-Ausgabe von GEO wird eine Forschungsmethode von Paul Ekman, dem Leiter des Human Interaction Lab in San Francisco vorgestellt. Er hat eine Methode entwickelt, mit Hilfe von Mikro-Gesichtsausdrücken oder anderen Mikro-Gesten Lügen zu enttarnen. Das geschieht mittels Videoaufnahmen, die man in Zeitlupe ablaufen läßt. Seit über zwei Jahrzehnten beschäftigt sich der Emotionsforscher Ekman mit dem Phänomen Lüge: "Am Anfang dieser Beschäftigung stand eine faszinierende Entdeckung. Lügen verraten sich manchmal durch eine höchst eindrucksvolle Gesichtsveränderung – von der gleichwohl niemand bis dahin etwas geahnt hat. Damals beriet Ekman die Ärzte einer Nervenheilanstalt und filmte psychiatrische Interviews. Einer seiner Filme zeigt die 42jährige Mary, die nach mehreren Selbstmordversuchen einige Wochen in der Klinik behandelt worden war. Mary schildert vor der Kamera ihrem Arzt, wie wohl sie sich fühle, und bittet um Wochenend-Ausgang. Der Arzt läßt sich überzeugen und gewährt den Urlaub. Doch bevor sie den Wochenend-Paß bekommt, gibt Mary zu, daß sie gelogen hat: Sie wollte nur aus der Klinik heraus, um sich endlich erfolgreich umzubringen. Ekman: 'Ich habe diesen Film vielen erfahrenen Psychologen und Psychiatern gezeigt, und das Urteil der meisten war, daß Mary höchst überzeugend wirkte.' Daß verzweifelte, zum Selbstmord entschlossene Menschen wie Mary ihren Zustand derart perfekt verheimlichen können, ist in der Tat höchst schockierend. 'Wir haben uns immer wieder den Film daraufhin angeschaut, ob nicht irgendwelche Zeichen in Marys Körpersprache oder Gesicht erkennbar wären, die ihre Lüge verrieten.' Erst die Zeitlupe war enthüllend: 'Auf die Frage des Arztes nach ihren Zukunftsplänen hin erscheint ganz kurz der volle Ausdruck der Verzweiflung auf Marys Gesicht! Ihre Mimik zeigt tiefes, grausames Leiden, doch nur einen winzigen Augenblick lang, so flüchtig, daß wir das bis dahin nicht bemerkt hatten.' Einmal auf die Spur gebracht, fanden die Forscher weitere lediglich aufblitzende 'Mikro-Gesichtsausdrücke', die den entsetzlichen Kummer Marys offenbarten und meist in Sekundenbruchteilen wieder von einem Lächeln verdeckt wurden. Sie entdeckten auch verräterische 'Mikro-Gesten', hilfloses Schulterzucken zum Beispiel. Jedoch war die Bewegung nie vollständig, sondern nur angedeutet und kaum sichtbar. Ebenso stellten sich Marys minimale, erst bei geschärfter Aufmerksamkeit wahrnehmbare Verlegenheitsgesten der Hand und ähnliche Artikulationen dar." (Geo, Nr.5/1998, S.72) Ekman ließ z.B. Krankenschwestern im Labor bewußt lügen und entdeckte in der Auswertung, daß Menschen versteckte Gefühle in Mikro-Gesichtsausdrücken preisgeben. Er führte z.B. einen Film eines interviewten Politikers vor, welcher darin mit beherrschter Miene Rede und Antwort steht. Aber erst der in Zeitlupe vorgeführte Film offenbarte eine von Wut und Verachtung verzerrte Gesichtsmimik, die man bei normaler Filmgeschwindigkeit gewöhnlich nicht bemerkt. Wenn man seine Aufmerksamkeit trainiert, kann man die versteckten Körpersignale allerdings wahrnehmen. Dabei geht es nicht um vordergründige Signale: unsicheres oder langsames Sprechen, nervöses Fingertrommeln auf der Tischplatte, oder wenn man mit den Haaren spielt, auf dem Stuhl hin- und herrutscht oder gar Schweißausbrüche bekommt. Sondern es geht vorwiegend um die obere Hälfte der Gesichtsmuskulatur: "Signale, die verborgene Gefühle verraten oder preisgeben, daß ein vorgetäuschtes Gefühl nicht echt ist, sind dagegen für Experten oft durchaus eindeutig. So lassen sich gespielte von authentischen Gesichtsausdrücken akkurat unterscheiden. Denn manche Mimikmuskeln können von den meisten Menschen nicht willkürlich kontrolliert werden und offenbaren deshalb die wahren Gefühle. Viele Menschen können mit der unteren Gesichtshälfte überzeugend lächeln, doch gewisse Stirnmuskeln gehorchen dem Lächelbefehl nicht und verraten dem Aufmerksamen die versteckte Angst." (ebd., S.74)
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